Memmingen
Als Napoleons Kanonen auf Memmingen donnerten

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Im September des Jahres 1805 traf in Memmingen ein berittener österreichischer Kurier ein, der ein versiegeltes Schreiben zum Rathaus brachte. Es war der Befehl zur kriegsmäßigen Befestigung der Stadt. Dieser stammte von keinem Geringeren als dem durch Tolstoi später in die Weltliteratur eingegangenem Baron von Mack. Im Herbst 1805 war der umstrittene und cholerische Feldherr Oberbefehlshaber einer starken österreichischen Armee, die in Bayern einmarschiert war. Seinen strategischen Planungen zufolge war die «Defensionslinie von Ulm, Memmingen und Kempten () von der höchsten Wichtigkeit.»

Was hatten die Österreicher überhaupt im Allgäu verloren? England hatte Russland, Schweden und Österreich zu einem Angriffskrieg gegen Frankreich zusammengeschlossen. Dem auf der Wiener Hofburg ausgearbeiteten Kriegsplan folgend war am 9. September 1805 eine 70 000 Mann starke österreichische Armee in Bayern, das mit Frankreich verbündet war, einmarschiert. Der österreichische Kaiser Franz I. (als Franz II. zugleich letzter Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation) kam am 24. September persönlich nach Landsberg, um mit den Heerführern seiner Armee Kriegsrat zu halten.

Die Österreicher planten, in dem Raum südlich der Donau und östlich der Iller das Eintreffen einer aus Russland im Anmarsch befindlichen zaristischen Armee abzuwarten, um vereinigt mit dieser den Krieg nach Frankreich zu tragen.

40 000 Mann starke Armee

Die Gegenseite jedoch schlief keineswegs. Der «Kriegsgott» selbst, wie Clausewitz Napoleon nannte, warf, um dem geplanten Angriff zu begegnen, seine Grande Armée in ungeheuren Gewaltmärschen vom Atlantik in das verbündete Bayern. Von 7. bis 9. Oktober 1805 überschritten seine Armeen die Donau, um die in Ulm sitzenden Österreicher weiträumig einzukreisen.

Das 40 000 Mann starke Armeekorps unter Marschall Soult marschierte von Augsburg lechaufwärts nach Süden um einen eventuellen Ausbruchsversuch der Österreicher von Ulm nach Tirol zu verhindern.

Dann erreichte Marschall Soult ein Befehl Napoleons, demzufolge er «in Gewaltmärschen» unverzüglich nach Memmingen zu marschieren und dabei jeden Österreicher gefangenzunehmen habe, «so dass kein Mann übrig bleibt, um eine Nachricht nach Wien zu überbringen.» Soult kam erst nach Mindelheim und ließ das 1000-Einwohner-Städtchen vollkommen plündern.

Am 13. Oktober tauchte die französische Armee am östlichen Höhenrand von Memmingen auf. Panik brach aus. Ein Kunsthändler berichtete über die Ereignisse in der Stadt: «Mittags gegen 1 und 2 Uhr entstand plötzlich ein unbeschreiblicher Lärm! Die Schanzers-Leute, mehr als 3000 an der Zahl, stürzten mit dem fürchterlichsten Geschrei - ,Die Franzosen kommen - zu den Toren herein.»

Kurz darauf donnerten die Kanonen. Die verängstigten Memminger flüchteten in die Keller. Zahlreiche Dächer wurden von Kanonenkugeln durchschlagen. Haubitzgranaten explodierten in den Straßen. Wie durch ein Wunder wurden dabei weder ein Einwohner noch ein österreichischer Soldat verletzt.

Verhandlungen im Wirtshaus

Mehrere Aufforderungen zur Übergabe wurden abgewiesen, wobei die im «Goldenen Hirsch» am Memminger Marktplatz geführten Kapitulationsverhandlungen einen äußerst dramatischen Verlauf nahmen. Am 14. Oktober willigte der österreichische Platzkommandant, General von Spangen, schließlich ein, die Waffen niederzulegen. Die 4000 Mann starke Garnison geriet in französische Kriegsgefangenschaft.

Napoleon ließ wenige Monate später eine Gedenkmedaille auf den Sieg von Memmingen prägen. Heute findet sich der Name der Allgäuer Stadt aufgrund der dramatischen Ereignisse von 1805 in Marmor gemeißelt neben Napoleons Grab im Invalidendom in Paris.

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