Special Ostern ÜBERSICHT
Ostern

Tradition
Von A wie Abendmahlsamt bis V wie Verzicht - Ein ABC der Osterbräuche

Osterbrunnen
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Dass das Abendmahlsamt nichts mit Behördengängen zu tun hat, dürfte uns allen klar sein. Dass in den Palmbrezen keine Palmenstückchen sind, auch. Aber woher die Bräuche und Traditionen rund ums Osterfest kommen - und wie sie im Allgäu aussehen - da fehlt dem einen oder anderen wohl doch die Hintergrundinfo. Deswegen kommt hier unser Brauchtums-ABC zum Wissen auffrischen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Abendmahlsamt am Gründonnerstag
Die Osterfeiertage beginnen mit dem Abendmahlsamt am Gründonnerstag. Mit dem Gottesdienst erinnert die Kirche an den Tag, an dem Jesus das Altarsakrament eingesetzt hat. So wird das Abendmahlsamt oft mit einer Fußwaschung verbunden. Der Priester wäscht zwölf Gemeindemitgliedern, in Anlehung an die zwölf Jünger, die Füße. 

Mit dem Gründonnerstag beginnt dann die Passion - also das Leiden Jesu. So werden in vielen Kirchen Blumen, Kerzen und anderer Schmuck aus dem Altarraum entfernt. In Betstunden wachen viele Gläubige die Nacht durch in der Kirche.

Brunnen
Der Brauch, die Brunnen im Ort mit immergrünen Zweigen und bunten Ostereiern zu schmücken, ist im Allgäu weit verbreitet, auch wenn er seinen Ursprung in der fränkischen Schweiz hat. In vielen Allgäuer Orten, wie in Oberstaufen, werden die Brunnen am Karsamstag geschmückt. Neben Buchs- oder Tannenzweigen, die zu einer Krone gebunden werden, schmücken oft auch Blumen den Brunnen. Wichtiger Bestandteil sind die Ostereier, ursprünglich ausgeblasene Hühnereier, die kunstvoll gefärbt oder bemalt werden. Heute kommen vermehrt bunte Eier aus Plastik zum Einsatz. Mit dem Brauch wird an die Bedeutung des Wassers als Grundlage allen Lebens gedacht.

Brot
Das Osterbrot erinnert an den christlichen Auferstehungsgedanken. Die Tradition des Osterbrotbrechens geht dabei auf Jesus selbst zurück. Das Brot steht nach neutestamentlicher Lesart für den Leib Jesu. Wer vom „Brot des Lebens“ bzw. „Leib Jesu“ isst, hat Anteil an der christlichen Gemeinschaft. Auf dieser Überlieferung basiert die Tradition des Osterbrotes. 

Im Allgäu wird oft ein süßes Brot aus einem Hefeteig gebacken. Häufig werden Früchte, Mandeln oder Nüsse mit in den Teig gegeben. Fertig gebacken schmeckt das Brot dann nicht nur zum Frühstück nach der Osternacht sondern auch zum Kaffee am Nachmittag.

Betstunden
Nach dem letzten Abendmahl ging Jesus mit seinen Jüngern an den Ölberg und betete. Aus diesem Grund werden auch im Allgäu in vielen Gemeinden nach dem Abendmahlsamt am Gründonnerstag Betstunden abgehalten. In manchen Gemeinden wird bis zum nächsten Morgen gebetet. Häufig wird auch eine Ölbergandacht abgehalten.

Eier färben
Der Grund dafür, dass man zu Ostern Eier isst, geht auf eine der bekanntesten christlichen Traditionen zurück: Die Fastenzeit. Es war verboten, während der Fastentage Eier zu essen und da sich Eier – einmal gekocht – sehr gut konservieren lassen, war zu Ostern immer ein großer Vorrat davon vorhanden. So wurde das Ei zur traditionellen Osterkost.

Im Mittelalter kam der Brauch auf, die Eier rot zu färben, um ihre Bedeutsamkeit zu kennzeichnen. Die Farbe sollte an das Blut erinnern, das Jesus bei seinem Tod am Kreuz vergossen hat. Später wurden die Eier dann auch in anderen Farben bemalt. Heute gibt es verschiedene Arten, Eier zu Ostern zu verzieren, von der klassischen Farbe über Malereien mit Holzstiften oder Wachs bis zu Verzierungen mit Spitze oder Aufklebern - das Osterfest wird jedes Jahr bunt.

Eier verstecken
In vorchristlicher Zeit war es üblich, einander zu Beginn des Frühlings Eier zu schenken. Das Ei galt als Symbol neuen Lebens. Diesen heidnischen Brauch verbot die Kirche, weshalb die Menschen darauf auswichen, die Eier an bekannten Orten zu verstecken, anstatt sie sich direkt zu schenken. Die daraus resultierende Eiersuche hat sich bis heute erhalten.

Eier schieben
Das Eier schieben ist ein Brauch, den es in Bayern und Baden-Württemberg gibt. Im Garten werden zwei Latten schräg angebracht, sodass die Teilnehmer gekochte Eier auf den Latten herunter rollen können. Auf jedes Ei, das unten ankommt, wird ein Centstück gelegt. Wird ein Centstück von einem Ei durch das Ei eines anderen Teilnehmers geschubst und fällt herunter, darf der Teilnehmer das Centstück behalten. Wer am Ende die meisten Centstücke hat, gewinnt.

Fischessen am Karfreitag
Im Gedenken an die Kreuzigung und das Leid Jesu Christi, verzichten viele Menschen am Karfreitag auf Fleisch und Wurst. Der Karfreitag gilt als strenger Fast- und Abstinenztag, an dem nur eine sättigende Mahlzeit gegessen werden soll. Für viele Menschen kommt an diesem Tag auch im Allgäu Fisch auf den Tisch. Das Tier ist eines der wichtigsten Symbole im christlichen Glauben. Zur Zeit der Christenverfolgung verwendeten Gläubige das Symbol, um sich als Mitchristen zu erkennen. Ein leckeres Fischrezept zum Nachkochen gibt's hier.

Feuerspringen
Das Feuerspringen (auch „Fuirspringe“ genannt) findet am Karsamstag in Pfronten statt. Ein Haselnuss- oder Eschenstock, der relativ gerade gewachsen ist, wird in der Mitte gespalten. In diesem „Spalt“ wird ein Buchenschwamm befestigt, und zwar so, dass er fest sitzt. Mehrere kleine, trockene Schwammstücke, auch Zunzeln genannt, werden vorbereitet.

Mit ihren Stöcken laufen die Jungen im Ort zum Kirchplatz, wo sich ein geweihtes Feuer befindet und halten ihre Stöcke hinein. Danach gehen sie von Haus zu Haus und verteilen das gewiehene Feuer. Die Hausbewohner entzünden ihre Zunzeln am brennenden Buchenschwamm. In einer Schale wird das Feuer in die Stube transportiert. Danach räuchern die Hausbewohner die Zimmer sowie Stall und Scheune. So soll der Winter vertreiben und Unglück ferngehalten werden.

Heiliges Grab
Früher waren Heilige Gräber weit verbreitet.  Es sind Nachbildungen des Grabes Christi in Jerusalem, die in der Karwoche in der Kirche aufgebaut werden. In einigen Kirchen ist der Leichnam Christi herausnehmbar oder leicht abzudecken. So wird dann auch die Auferstehung bildlich dargestellt. 

Teilweise war der Brauch eingeschlafen, in den letzten Jahren werden die Heiligen Gräber aber wieder öfter aufgebaut. In vielen Allgäuer Kirchen kann man die Nachbildungen am Karfreitag sehen.

Kreuzwegandacht
Die Kreuzwegandacht geht auf die Überlieferung von Pilgern zurück, die - quasi als Touristen ihrer Zeit – bereits im Altertum und im Mittelalter nach Jerusalem zogen, um die Stationen von Jesu Kreuzweg selbst zu besichtigen und abzugehen. Da nur wenige sich eine Reise ins Heilige Land leisten konnten, begann man im Mittelalter damit, den Kreuzweg zu Ostern symbolisch nachzulaufen.

Ab dem 14. Jahrhundert verbreitete vor allem der Franziskanerorden diesen Brauch. Ab dem Jahr 1600 sind Kreuzwege mit 14 Stationen in nahezu sämtlichen Kirchen Europas belegt. Damit erhielt die Kreuzwegandacht auch offiziellen Einzug in die kirchliche Liturgie, wie man sie heute kennt.

Karwoche
Die Karwoche und die Ostertage sind der Höhepunkt im christlichen Kirchenjahr. Sie beginnt mit dem Palmsonntag, der häufig mit Prozessionen gefeiert wird, geht über die drei österlichen Tage Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag und endet mit der Feier der Osternacht am Ostersonntag. 

Lamm
Den Brauch, ein Osterlamm zu backen und zu essen, gibt es bereits seit dem Barock. Im neuen Testament wird Jesus selbst als das Lamm Gottes bezeichnet. So steht das gebackene Lamm als Symbol, weil Jesus seine Kreuzigung demütig wie ein Lamm akzeptierte und sozusagen wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt wurde. Außerdem symbolisiert das Osterlamm den Sieg über den Tod. Am Ostersonntag wird das Lamm zur Messe mitgenommen und bei der Speisenweihe gesegnet. Anschließend wird es zu Hause gegessen.

Ein Rezept für ein Osterlamm gibt's in unserem Video.

Osternacht mit Osterfeuer
Mit der Feier der Osternacht finden die Feiertage ihren Höhepunkt. In der Nacht von Samstag auf Sonntag wird vor der Kirche meist ein Feuer entzündet, das sogenannte Osterfeuer. Hier wird dann die Osterkerze entzündet. In ihrem Schein zieht der Pfarrer anschließend mit den Ministranten in die ansonsten dunkle Kirche ein. Nach und nach wird das Osterfeuer mit Kerzen an die Gläubigen weitergegeben. 

Die Messe läuft dann in der Regel etwas anders ab, als in den Sonntagsgottesdiensten im Jahr. Sie teilt sich in vier Teile: Die Lichtfeier, in der das Feuer gesegnet und die Osterkerze entzündet wird; den Wortgottesdienst, in dem Texte aus der Bibel gelesen werden; die Tauffeier, in der das Taufwasser gesegnet und eventuell auch Kinder getauft werden und die Eucharistifeier mit der Speisenweihe.

Osterlachen
Seit dem 14. Jahrhundert war das Osterlachen vor allem in Regionen um Bayern herum bei Osterpredigten fester Bestandteil und galt als fester Ritus am Osterfeiertag. Der Pfarrer erzählte in der Predigt einen Witz oder eine amüsante Geschichte, um die Gemeinde zum Lachen zu bringen. Das Lachen zum Osterfest sollte den Sieg vom Leben über den Tod symbolisieren.

Teilweise wurde diese Art des Gottesdienstes in Kirchen verboten und der Brauch starb beinahe aus. In manchen Gemeinden wird das Osterlachen wieder zum Leben erweckt. So auch in der Unterallgäuer Gemeinde Ottobeuren. "Beim Osterlachen geht es darum, der Freude über die Auferstehung und das Erlöstsein einen Ausdruck zu verleihen", sagt der Ottobeurer Abt Johannes Schaber, der seit Jahren am Ende der Osternachtsfeier in der Basilika einen Witz erzählt.

Osterkerze
In der Osternacht wird bei der Speisenweihe auch ein ganz besonderer Gegenstand geweiht, den man nicht unbedingt essen kann: Die Osterkerze. Meist werden weiße Kerzen verwendet, die mit österlichen Symbolen verziert werden. Diese Kerzen können ganz individuell gestaltet werden. Zentrales Bild ist meist das Kreuz. Aber auch andere Symbole wie Brot und Wein, Alpha und Omega, Weintrauben oder Fische finden sich auf den Kerzen. Viele Gläubige gestalten die Kerze jedes Jahr selbst. Sie nehmen dann das Osterfeuer  in einer Laterne mit nach Hause und zünden am Feuer die Osterkerze an.

Ölbergandacht
Der kirchliche Brauch der Ölbergandacht hat seinen Ursprung im neuen Testament bei Markus, Matthäus und Lukas. Demzufolge harrte Jesus nach dem letzten Abendmahl am Ölberg aus und erwartete seine Gefangennahme. Seine Jünger legten sich schlafen, während er in Vorausahnung seines Todes betete. Bis heute harren Gläubige nach dem Abendmahlsamt am Gründonnerstag  bis Mitternacht in der Kirche aus, um den biblischen Ereignissen zu gedenken.

Palmprozession
An jedem letzten Sonntag vor Ostern sieht man ihn: Den Palmboschen, auch Palmzweig oder Palmstock genannt. Gebundene Zweige, geschmückt mit bunten Bändern und Eiern. Der Brauch der Palmsonntagsprozession geht auf eine biblische Überlieferung zurück, wonach Jesus am Sonntag vor dem Paschafest in Jerusalem einzog: „Da nahmen sie Palmzweige, zogen hinaus, um ihn zu empfangen, und riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, der König Israels!“ (Joh 12,13). Die Feier des Palmsonntag mit Palmzweigen ist seit dem 9. Jahrhundert belegt. Und da im Allgäu keine Palmen wachsen, behilft man sich mit Buchs, Weidenkätzchen oder Wacholder.

Vielerorts, wie beispielsweise in Marktoberdorf, wird die Prozession von einem Esel begleitet oder angeführt. Auch dieser Brauch geht auf die Bibel zurück. Jesus soll auf einem Esel nach Jerusalem geritten sein.

Palmboschen binden
Die Palmboschen dürfen bei der Prozession natürlich nicht fehlen. Im Allgäu werden sie vor allem von Kindern getragen. An hohe Stangen, oft mit einem Kreuz an der Spitze, werden Buchs-, Fichten- oder Wachholderzweige und Weiden, die schon die ersten "Kätzchen" tragen, gebunden. Mit bunten Bändern, Ostereiern aus Plastik oder Palmbrezen verziert, sollen die gewiehenen Boschen Mensch und Hof vor Feuer oder Unwetter schützen.

Palmbreze
Die Brezel gehört zum sogenannten „Gebildebrot“. Das heißt sie ist Symbolgebäck und von vorn herein als Bild gedacht. Eigentlich zeigt sie eine ins Gebet versunkene Person mit verschränkten Armen und bis ins 18. Jahrhundert wurde sie auch ausschließlich als Fastengebäck verzehrt. Bis zum nächsten Schritt, die Brezel zum Palmsonntag auch noch in den Palmbuschen zu hängen, fehlte dann nicht mehr viel.

Heute wird die Palmbreze süß gebacken, mit Rosinen oder Zuckerguss. Als Fastenbrot kann man sie deswegen wahrscheinlich heute nicht mehr bezeichnen.

Ratschen statt Glocken
Am Gründonnerstag fliegen die Glocken der Kirchen der Legende nach nach Rom. Ersetzt werden sie bis zum Ostersonntag mit Ratschen - Klappern aus Holz. Kinder, oft die Ministranten aus den Gemeinden, ziehen mit den Ratschen durch die Ortschaften und rufen die Menschen auf, den Gottesdienst zu besuchen oder bestimmte Gebete zu sprechen. Sie ersetzen so die Kirchenglocken. In vielen Allgäuer Familien wird die Ratsche von Generation zu Generation weitervererbt. Gefertigt werden sie von Ratschenbauern wie Hermann-Josef Schratz.

Speisenweihe
Wer die Fastenzeit überstanden hat, der freut sich am Ostersonntag auf ein großes Osterfrühstück. Dazu lassen viele Gläubige ihre Speisen am Ostersonntag vom Pfarrer weihen. Dieser Brauch ist auch im Allgäu stark verwurzelt. Viele Allgäuer bringen in die Osternacht Körbe mit Speisen mit: Das Osterlamm, ein Osterbrot, einen Schinken, gefärbte Eier und Salz. Durch die Weihe der Speisen soll die Tischgemeinschaft gesegnet und das Ende der Fastenzeit gemeinsam gefeiert werden. 

Taufe in der Osternacht
Die Taufe in der Osternacht ist eine Tradition, die fast so alt ist, wie das Christentum selbst. Bis weit ins Mittelalter hinein war der Ostersonntag sogar als einziger Tauftermin überhaupt vorgesehen. Der Grund findet sich in der religiösen Bedeutung der Taufe, die an die Auferstehung geknüpft ist. Mit ihr wird die Macht des Glaubens über den Tod symbolisiert. Wer sich im Wasser des Heiligen Geistes taufen lässt, der überwindet nach dem christlichen Glauben zufolge den Tod der Seele. Die Auferstehung Jesu am Ostersonntag dient hierfür als Beleg. Deshalb legt die Kirche auch heute noch viel Wert darauf, sich am Ostersonntag taufen zu lassen.

Verzicht in der Fastenzeit
Gleich nach dem Faschingskehraus beginnt mit dem Aschermittwoch die Fastenzeit. Bis zum Ostersonntag wird 40 Tage lang auf etwas verzichtet, was sonst fester Teil des Alltags ist. Für viele sind das Fleisch oder Süßigkeiten, der ein oder andere hört in der Fastenzeit aber auch mit dem Rauchen auf.

Zwischen Aschermittwoch und dem Ostersonntag liegen tatsächlich nicht 40 sondern 46 Tage - aber nur an 40 Tagen wird gefastet. Sonntage gelten in der Kirche generell als Feiertage und sind von der Fastenzeit ausgenommen.

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