Kriminalstatistik 2020
Deutlich mehr Sexualdelikte, Allgäu trotzdem "eine der sichersten Regionen Deutschlands"

Dr. Claudia Strößner, Leiterin des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, stellt die Kriminalstatistik 2020 vor.
  • Dr. Claudia Strößner, Leiterin des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, stellt die Kriminalstatistik 2020 vor.
  • Foto: Screenshot Polizeipräsidium Schwaben Süd/West
  • hochgeladen von Lisa Hauger

Der Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, zu dem auch das bayerische Allgäu gehört, ist "eine der sichersten Regionen" Deutschlands. Dr. Claudia Strößner, Leiterin des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West und Michael Haber, Leiter Sachgebiet Verbrechensbekämpfung, haben am Donnerstag die Kriminalstatistik für das vergangene Jahr vorgestellt. Aufgrund der Corona-Lage hat die Pressekonferenz online stattgefunden. 

"Alle fünf Minuten ein Notruf"

2020 kamen knapp 100.000 Notrufe an die Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. "Das bedeutet umgerechnet alle fünf Minuten ein Notruf", erklärt Strößner, die seit November 2020 ihr Amt als Leiterin ausführt. 

Knapp 40.000 Straftaten gab es 2020 im Bereich Schwaben Süd/West. Das sind zwar etwas mehr als im Vorjahr. Betrachtet man allerdings die Zeitspanne zurück bis zur Gründung des Polizeipräsidiums im Jahr 2008, ist der Wert von 2020 der zweitniedrigste. Auf Platz 1 befindet sich das Jahr 2019. 

"Eine der sichersten Regionen"

"Absolute Zahlen sagen nicht direkt etwas über die Kriminalitätsbelastung aus", so Strößner. Ein wichtiger Faktor sei die Häufigkeitszahl: "Diese Zahl ist der Gradmesser für die Sicherheitslage einer Region und errechnet sich aus der Zahl der bekanntgewordenen Straftaten pro 100.000 Einwohner." Die Zahl beschreibt, wie groß die Gefahr ist, Opfer einer Straftat zu werden. Im bundesweiten Vergleich hat Bayern oft einen der besten Werte: "Schwaben Süd/West ist innerhalb Bayerns und innerhalb Deutschlands eine der sichersten Regionen." 

2020 wurden so viele Straftaten in Schwaben Süd/West aufgeklärt, wie noch nie zuvor. Die rund 2.200 Polizistinnen und Polizisten konnten 74 Prozent der Fälle aufklären. Im bayernweiten Vergleich (Aufklärungsquote von 68,1) liegt das Präsidium somit vorne. 

Rund ein Drittel der Tatverdächtigen sind Nicht-Deutsche

Rund 42 Prozent der Tatverdächtigen sind Nicht-Deutsche, darunter Einwanderer, Ausländer, Urlauber und Durchreisende. "Bereinigt man diese Zahlen aber um die ausländerrechtlichen Verstöße, sind 31,8 Prozent aller Tatverdächtigen Nicht-Deutsche", so Strößner. Unter ausländerrechtlichen Verstößen versteht man beispielsweise einen Verstoß gegen das Aufenthalts- oder Asylgesetz. 

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Straftäter hauptsächlich männlich

Auffällig ist, dass rund zwei Drittel der Tatverdächtigen männlich ist. Jeder Achte war während der Tat alkoholisiert. "Aber auch hier ist seit zehn Jahren eine rückläufige Entwicklung erkennbar", so Strößner.

Gewaltkriminalität 

Gewaltkriminalität umfasst Straftaten wie Mord, Totschlag, Vergewaltigung und Raub. Den größten Anteil mit über 80 Prozent macht die gefährliche und schwere Körperverletzung aus, gefolgt von den Raubdelikten, erklärt Michael Haber, Leiter Sachgebiet Verbrechensbekämpfung beim Polizeipräsidium Schwaben Süd/West. Die Gewaltkriminalität hat 2020 im Vergleich zu 2019 um 10 Prozent zugenommen. 

Sexualdelikte: Opfer und Täter kennen sich meist

Darunter fasst die Polizei die Bereiche sexueller Kindesmissbrauch, Verbreitung pornografischer Schriften und Vergewaltigung. Dieser Bereich hat 2020 im Vergleich zu 2019 um 42 Prozent zugenommen. Auffällig dabei: In über zwei Drittel der Vergewaltigungen standen Täter und Opfer in einer Beziehung zueinander. "Die Gefahr, von einem unbekannten Täter vergewaltigt zu werden, ist im vergangenen Jahr weiter zurückgegangen", so Haber.

Häusliche Gewalt 

  • 80 Prozent der Täter sind männlich.
  • Fast 30 Prozent der Tatverdächtigen waren bei der Tat alkoholisiert.
  • In fast 40 Prozent der Straftaten waren Kinder mit anwesend.

Häusliche Gewalt umfasst Formen von körperlicher, sexueller und emotionaler Gewalt in ehelichen und nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften. Die Anzahl der angezeigten Fälle hat in den vergangenen zehn Jahren um die Hälfte zugenommen und liegt bei rund 1.500 Straftaten. "Ursächlich für die Entwicklung der Fallzahlen dürfte (...) eher die Aufhellung des Dunkelfelds sein als ein tatsächlicher Anstieg der Straftaten", so Haber. Ein Faktor dabei sei der größere Anspruch an Beratungsgesprächen, wonach die Betroffenen erst einige Zeit nach dem Vorfall Anzeige erstatten. 

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Auswirkungen des Lockdowns 

Wie sich der Lockdown auf die Gewalt in Familien auswirkt, werde laut Haber erst "mit Abstand erkennbar werden", da die Beziehungstaten oft erst im Nachhinein angezeigt werden. Worauf sich der Lockdown aber bereits auswirkt, ist die Zahl der Wohnungseinbrüche: Die Zahl ist im vergangenen Jahr auf 208 zurückgegangen. Das könnte auf den Lockdown und die Kurzarbeit zurückzuführen sein und damit, dass viele Menschen im Homeoffice arbeiten, erklärt Haber. 

Callcenterbetrug

Der Bereich Callcenterbetrug ist laut Strößner wichtig zu erwähnen, weil der Schaden in Zusammenhang mit diesen Straftaten materiell und immateriell sehr hoch ist. Obwohl die Zahl der Fälle 2020 erstmals nicht angestiegen ist, entstand im vergangenen Jahr im Bereich Schwaben Süd/West ein Schaden von 630.000 Euro. Die Betrüger wenden den Enkeltrick an, täuschen Gewinne vor, geben sich als falsche Polizeibeamte aus oder  mittlerweile immer häufiger als Mitarbeiter von Software-Unternehmen. Unter anderem sei laut Strößner die Aufklärung ein entscheidender Faktor. 

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