Betrugsmasche
Allgäuer Polizei warnt vor "falschen Polizebeamten" am Telefon

Im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West sind die Fälle mit Telefonbetrügern in den letzten Monaten stark angestiegen. Seit Anfang des Jahres wurden 332 solcher Fälle zur Anzeige gebracht. Zum Vergleich: Von Januar bis April 2017 nahm die Polizei 107 Fälle auf.

Vorgehensweise der Betrüger

Die Betrüger verhalten sich am Telefon äußerst professionell und sind sehr sprachgewandt. Sie geben sich als Polizisten oder behördliche Vertreter aus und erzählen eine erfundene Geschichte. Meistens sprechen sie von Bedrohungen, oder behaupten, eine Ermittlungsbehörde bräuchte Hilfe. Sie kontaktieren ihr Opfer immer wieder und telefonieren oft stundenlang mit ihnen, um sie unter Druck zu setzen und ihr Vertrauen zu gewinnen.

Weil die Opfer ständig von ihnen angerufen werden, haben sie oft keine Zeit sich zu sammeln und das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen. Außerdem haben die Opfer dadurch keine Zeit, um die richtige Polizei zu kontaktieren.

Im Telefondisplay wird meist die Rufnummer der örtlichen Polizei oder die örtliche Vorwahl in Verbindung mit der 110 angezeigt. Diese angezeigte Rufnummer kann mit einer Software manipuliert werden, also sollten Sie der Nummer nicht vertrauen.

Um zu beweisen, dass die "echte Polizei" am Hörer ist, fordern die Betrüger die Opfer auf, bei der örtlichen Polizei anzurufen. Die Täter spielen dann ein Freizeichen ab, damit der Angerufene denkt, dass die Verbindung unterbrochen wurde, obwohl diese noch weiter besteht. Wenn das Opfer nun die Nummer der Polizei wählt, wird keine neue Verbindung aufgebaut. Stattdessen täuscht derselbe Täter oder ein Komplize vor, den Anruf als "richtige Polizei" anzunehmen.

Die Geschichten die am Telefon erzählt werden, sind beliebig wandelbar und oft sehr detailreich. Die gängigsten Geschichten sind diese:

Drohender Einbruch

Den Angerufenen wird mitgeteilt, dass im Zuge einer Festnahme oder sonstigen polizeilichen Maßnahmen bekannt wurde, dass ein Einbruch in ihre Wohnung oder ihr Haus droht. Auf diese Weise versuchen die Täter, die Vermögensverhältnisse auszuspähen. Anschließend täuschen sie vor, diese sichern zu wollen und die Bewohner werden dazu gebracht Vermögenswerte an angebliche Polizeibeamte zu übergeben oder diese abzulegen. Die Betrüger begründen das meist mit drohender Gefahr oder verdeckter polizeilicher Ermittlungen.

Ermittlungsverfahren in einem anderen Land oder auch drohende Auslieferung

Die Täter erzählen den Angerufenen, dass gegen sie ein Ermittlungsverfahren in einem anderen Land läuft und eine Auslieferung in dieses Land drohen würde. Nur durch Zahlung einer Geldstrafe könnten sie die Auslieferung in das Land verhindern. Als Zahlungsmittel werden hier z. B. Überweisungen oder die Nutzung eines Finanztransferdienstleisters gefordert.

Bitte um Unterstützung bei Ermittlungen

Diese Masche verwendeten die Betrüger bei dem Fall eines 72-jährigen Rentners aus dem Ostallgäu. Auf Bitten eines angeblichen Polizeibeamten sollte er dabei helfen, eine betrügerische Bankangestellte zu überführen. Dafür sollte er sin gesamtes Erspartes abheben und später die Seriennummer von verschiedenen Scheinen telefonisch durchgeben.

Nach einer Viertelstunde teilten die Täter mit, dass es sich bei dem Geld von dem Ostallgäuer um Falschgeld handle und auch des Rest des Geldes überprüft werden müsse. Dafür erschien kurze Zeit später ein Komplize des Anrufers, um das Geld abzuholen. Es handelte sich bei dem Geld um über 37.000 Euro. Der Rentner konnte den Täter leider nicht genauer beschreiben.

Auffällig an diesem Vorgehen ist, dass der Mann den Hörer während des gesamten Geschehens nicht auflegen sollte. Die Ermittlungen der Polizei dauern noch an. Auch typisch ist hier, dass auch die Bankangestellten, die den Mann beim Abheben des Geldes warnten, von den Anrufern diskreditiert wurden. Aufgrund der ausgeklügelten Geschichte verhallen solche Warnungen bei den Opfern.

Neben großen finanziellen Schäden schämen sich die Opfer auch, auf so eine Masche hereingefallen zu sein. Sie haben deswegen vor allem bei geringen Schadenssummen Hemmungen, Anzeige zu erstatten. Es handelt sich bei den Tätern jedoch um professionelle Betrüger, deswegen ist es wichtig, Anzeige bei der Polizei zu erstatten.

Auch am Donnerstag kam es im Unterallgäu wieder vermehrt zu Anrufen von falschen Polizeibeamten. Bislang ist in diesem Zusammenhang aber noch keine vollendete Tat bekannt. 

Die Polizei rät zu folgenden Verhaltensweisen:

  •  Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Zeitdruck setzen, hinterfragen Sie kritisch
  • Geben Sie am Telefon nie Auskunft über Vermögensverhältnisse
  • Behörden fordern nie auf solche Art und Weise Geld oder Vermögenswerte von Ihnen
  • Unterbrechen Sie bei einem Verdacht die Verbindung durch Auflegen und wenden sie sich an die Notrufnummer 110
  • Setzen sie Familienangehörige, welche keine Medien konsumieren, über diese Vorgehensweisen in Kenntnis
  • In Bayern erhalten sie keine Anrufe von der Notrufnummer 110

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