Integration
Asylbewerber und Ausbildung? Foday Sheriff (37) aus Sierra Leone lernt Maschinen- und Anlagenmechaniker in Babenhausen

Foday Sheriff ist einer von zurzeit etwa 20 Asylbewerbern, die bei einer Babenhauser Firma beschäftigt sind. Er hat ein befristetes Aufenthaltsrecht in Deutschland. In seinem Heimatland Sierra Leone war er früher Buchhalter. Im Unterallgäu macht er jetzt eine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenmechaniker. Es ist sehr wichtig für meine Zukunft, dass ich einen guten Abschluss habe, sagt der 37-Jährige.

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Seit eineinhalb Jahren gibt es in Babenhausen im Unterallgäu den gemeinnützigen Verein Menschen begegnen Menschen (MbM). Die knapp 60 ehrenamtlichen Mitglieder kümmern sich um Flüchtlinge in Babenhausen und Umgebung. Wir betrachten uns nicht nur als Helfer, sondern merken auch in der täglichen Arbeit mit den Geflüchteten, dass sie uns etwas zu geben haben, sagt Tom Otto, Vorsitzender des Vereins.

Der Ausbildungsleiter der Firma Kößler Technologie Andreas Gilke, der auch Sheriff ausbildet, nennt Beispiele für das gegenseitige Profitieren: Als kürzlich ein Azubi Probleme mit dem Toleranzrechnen hatte, hat Sheriff dem jungen Mann die Rechnung erklärt. Außerdem stellt Gilke fest, dass sich die Zusammenarbeit der Flüchtlinge mit den anderen Azubis positiv auf die Sozialkompetenz aller auswirkt: "Die Azubis unterhalten sich sogar in den Pausen über den Berufsschulunterricht, außerdem lernen sie von Sheriff zum Teil besser Englisch." Die soziale Verbindung geht sogar über das Berufliche hinaus. An den Wochenenden geht der 37-jährige Sierra-Leoner oft mit seinen Kollegen in die Kneipe zum gemeinsamen Fußball schauen. "Wir haben viel Spaß zusammen", sagt Sheriff. Man sieht ihm die Freude über die neuen Freundschaften an.

"Ohne Sprachkenntnisse gibt es kein Babenhauser Modell"

Zusammen mit der Firma Kößler hat MbM das Babenhauser Modell gegründet. Es ist ein Versuch, Geflüchtete, die jetzt hier bei uns sind, in Lohn und Brot zu bringen, sagt Otto. Arbeit ist ein wesentlicher Bestandteil für die Integration. Wichtiger als Vorkenntnisse im Beruf seien aber auf jeden Fall ausreichende Deutschkenntnisse. In der Regel sind es sehr hoch qualifizierte Menschen, die wir hier haben. Trotzdem müssen sie aber erst mal genügend Deutsch können, um im Betrieb zu bestehen."

Die Migranten müssen sich schließlich mit Kollegen und Ausbildern verständigen können, müssen Sicherheitshinweise verstehen. Vor allem für die Berufsschule sind Sprachkenntnisse sehr wichtig. Gilke sagt: "Sprache ist im Alltag überhaupt wichtig. Man muss sich gegenseitig einfach richtig verstehen und verständigen können. Wenn ich ein Brot kaufen möchte, dann will ich ja auch keine Wurst bekommen." Bei MbM kümmern sich 14 Sprachlehrer darum, dass die Flüchtlinge ihr Deutsch laufend verbessern.

Sind die Sprachkenntnisse bei einem Asylbewerber dann gut genug, darf er ein dreitägiges Schnupperpraktikum in einem der mittlerweile elf am Projekt teilnehmenden Betriebe absolvieren. Es geht dabei um ein beidseitiges Abklären: Passt der Mensch in den Betrieb?, sagt Otto. Der Praktikant soll dabei auch eine Vorstellung davon bekommen, ob er in dem Beruf arbeiten kann und will. Wenn es passt, folgt ein Praktikum zwischen drei Wochen und drei Monaten. Dann entscheidet der Betrieb, ob der Asylbewerber für den Job infrage kommt.

Ausbildung erfordert viel Zeit

Ausbilder Gilke erklärt, dass es für die Ausbildung der Migranten viel Zeit und Geduld braucht. "Ich erkläre am besten alles nicht nur auf Deutsch, sondern auch noch mal auf Englisch." Der 36-Jährige hat sich daran gewöhnt, auch viel öfter nachzufragen, ob jeder Auszubildende alles verstanden hat. Im Zweifelsfall wiederholt er den Arbeitsschritt noch einmal. Die Firma steht trotz der Mehrkosten und dem Zeitaufwand hinter dem Projekt. "Wir wollen weiter diesen Weg gehen und diesen jungen Menschen die Möglichkeit geben, in Deutschland Fuß zu fassen", sagt der Ausbildungsleiter.

Sheriff macht beim Deutsch lernen gute Fortschritte. Er hatte vor seiner Flucht bereits mehrere Sprachen gelernt, daher fällt es ihm vergleichsweise leicht. Seit September ist der 37-Jährige in Ausbildung bei Kößler Technologie. Nicht für alle Flüchtlinge eignet sich nach dem Praktikum eine Ausbildung. Manche bekommen auch eine 450-Euro- oder eine Teil- oder Vollzeitstelle.

Die Firma hatte auch Sheriff nach seinem Praktikumsjahr einen Vollzeitjob angeboten. Aber ihm war es lieber, zuerst eine vollständige Ausbildung in Deutschland zu machen. Das ist die beste Vorsorge für die Zukunft mit seiner Familie.

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