Gericht
Zwölf Jahre Haft für tödliche Prügel

Als der Richter um 10.31 Uhr das Strafmaß verkündet, bricht eine Angehörige der Angeklagten in Tränen aus. Und ihr Schluchzen verebbt auch nicht während der folgenden 45 Minuten, in denen der Vorsitzende am Kemptener Landgericht das Urteil begründet.

Weil sie ihren Bekannten zu Tode prügelten, müssen die beiden 26-jährigen Hauptangeklagten für zwölf Jahre ins Gefängnis. Die Strafkammer befand die Cousins der gemeinschaftlichen Körperverletzung mit Todesfolge für schuldig. Drei weitere Mitangeklagte, darunter die Ex-Verlobte des Getöteten, wurden jeweils wegen fahrlässiger Tötung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Der Richter bezeichnete die Hauptangeklagten Denis und Roman B. als 'verbrecherische Schläger', die 'bestialisch gegen ihr Opfer vorgingen' und ihre 'brutale Aggression' an dem damals 26 Jahre alten Stefan K. auslebten.

Die fünf angeklagten Russlanddeutschen hatten sich am Abend des 2. Dezembers 2010 in der Wohnung des Angeklagten Andreas W. in Kaufbeuren getroffen. Mit dabei: das spätere Opfer Stefan K. sowie zwei weitere Freunde. Man trank Bier und Wodka.

Nach einem Streit der beiden Verlobten Stefan K. und Svetlana B. prügelten nach Überzeugung des Gerichts die Cousins Denis B. und Roman B. auf den schmächtigen, nur 54 Kilo leichten Stefan K. ein. Sie traten ihn gegen Kopf und Oberkörper bis er zu Boden ging. Schließlich sprang Roman B.

von einem Bett herunter auf den Wehrlosen und trat ihm mit der Ferse auf den Bauch. Stefan K. erlitt unter anderem einen Leberriss. Svetlana B. schritt in die Prügelei nicht ein und wimmelte mit den anderen den zunächst alarmierten Notarzt mit einer verabredeten Geschichte aus Angst vor der Polizei ab. Ihr Verlobter verblutete innerlich und starb wenig später. Erst dann riefen die Angeklagten erneut den Notarzt.

Nach Auffassung des Gerichts hatten sich die drei Mitangeklagten dem Druck der 'beiden Verbrecher' gebeugt. Es sei der Plan von Denis und Roman B. gewesen, niemanden in die Wohnung hinein zu lassen und den Notarzt mit einer erfundenen Story abzuwimmeln. Damit sei der Schalter innerhalb weniger Minuten umgelegt worden 'von Hilfe auf fahrlässige Tötung', sagte der Richter.

Hätte man Sanitäter und Notarzt umgehend zu dem Schwerverletzten gelassen, dann wäre das Leben von Stefan K. mit hoher Wahrscheinlichkeit zu retten gewesen.

Die Staatsanwaltschaft hatte für die Hauptangeklagten eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes gefordert. Das Gericht kam allerdings zu dem Schluss, dass Denis und Roman B. bei ihren Fausthieben und Tritten ein Tötungsvorsatz nicht mit letzter Sicherheit nachzuweisen sei.

Beide hätten nicht damit rechnen müssen, dass Schläge und Tritte tödliche Folgen haben könnten. Im Zweifel müsse man dies zugunsten 'dieser beiden Verbrecher' werten, sagte der Richter. Der Mordvorwurf wurde daher fallen gelassen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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