Innsbruck
Zwischen Himmel und Erde

Wenn ein Snowboarder sagt, er sei «gestoked», dann befindet er sich im emotionalen Ausnahmezustand. Elias Elhardt ist nach eigenen Worten in diesem Augenblick «voll gestoked». Die 11500 entfesselten Zuschauer im Innsbrucker Bergisel-Stadion, sein geglückter Trick, ein «Backside 1080 double Cork» (drei Längsdrehungen mit zwei Salti), die gigantische Schanzenanlage, dazu die Musik, die bunten Lichter, ja allein die Tatsache, erstmals beim «Air & Style», dem bedeutendsten Snowboard-Wettbewerb in Europa, als einer von 16 Protagonisten überhaupt dabei zu sein - all diese Eindrücke wollen verarbeitet werden. «Es ist schwer, das in Worte zu fassen», sagt Elhardt. Also grinst der 21-Jährige aus Oberstaufen nur über beide Backen.

Er tut das auch, weil er soeben Stefan Gimpl in der ersten K.o.-Runde besiegt hat. Gimpl ist 30 Jahre alt, hat dreimal hier gewonnen, was den Österreicher zu einer Kultfigur macht. Der «alte Mann» der Snowboard-Freestyler gratuliert dem Kontrahenten, wünscht ihm Glück für die nächste Runde. Elhardt umarmt Gimpl. «Wir sind Freunde», sagt der neun Jahre jüngere Kollege.

Gimpl ist kurzfristig für Elhardts eigentlichen Erstrunden-Gegner, Mikkel Bang, eingesprungen. Der Norweger hatte sich im Training verletzt. Bang ist nicht das einzige Opfer der gigantischen Rampe, die in den Aufsprunghügel der Bergisel-Schanze platziert wurde.

Am schlimmsten erwischt es Seb Toutant, der als Erster den Riesenkicker mit einer Absprunghöhe von 17 Metern testen wollte, sich bei der Anlaufgeschwindigkeit verschätzte und viel zu weit flog. Toutant schlug im Flachen auf und brach sich das Bein. «Seb hat noch Glück gehabt», sagt Elhardt.

Extrem harter Aufsprung

Der Allgäuer spricht von «einem tückischen Kicker», der Respekt einflößend sei. «Und dazu der extrem harte Aufsprung», klagt der Blondschopf, bevor er wieder mit dem Lift zum Start nach oben fährt und kurz das Lächeln im Gesicht verschwindet. Erneut hat er drei Versuche, um die Jury zu überzeugen.

Absprunghöhe, Schwierigkeitsgrad und Ausführung seines Tricks werden darüber entscheiden, ob sich Elhardt gegen Iouri Podladtchikov durchsetzt und ins «Superfinal» der Top-Vier einzieht.

Die Menge unten wogt im Rhythmus der Hip-Hop-Musik, als Elhardt oben bereitsteht, vor ihm der 42 Grad steile Anlauf. Der Sprung geht zu weit. Deutschlands große Snowboard-Hoffnung kann seinen «Backside 1080 double Cork», den derzeit wohl schwierigsten Trick in der Big-Air-Disziplin, nicht stehen. Der zweite Versuch ist besser. Doch das Bewegungstalent greift beim Landen kurz in den Schnee. Weil Podladtchikov ordentlich vorgelegt hat, ist die Lage für Elhardt nahezu aussichtslos. Den «Backside 1080 double Cork», seinen stärksten Trumpf, darf er nicht mehr ziehen, da derselbe Trick nur zweimal pro Runde erlaubt ist.

Elhardt entscheidet sich für den «Frontside 1080» (drei Drehungen um die eigene Achse) bei seiner letzten Chance. Später wird er von einem «Experiment» sprechen. «Ich habe den Trick auf diesem Kicker noch nie probiert.» Das Experiment scheitert - aus der Traum vom «Superfinal».

Grandiose Stimmung

Trotzdem ist Elhardt immer noch «gestoked», wegen der grandiosen Stimmung im Bergisel-Stadion und dem Wettkampf in diesem Hexenkessel. Am Ende wird er Siebter, noch vor Snowboard-Größen wie Travis Rice oder Risto Mattila.

Den «Ring of Glory» darf sich aber Marko Grilc als Zeichen des Sieges überstreifen. Elhardt ist dennoch überglücklich. Weil er seinen «Backside 1080 double Cork» wenigstens einmal beim «Air & Style» gestanden und seinen Beitrag zur spektakulären Flugshow geleistet hat. «Und ich bin froh», gesteht Elhardt, «dass ich mir nicht wehgetan habe.»

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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