Altusried
Zwischen Heiterkeit und Ernst

Mit modern-französischem Esprit in einfühlsamer Inszenierung begann die neue Spielsaison im Theaterkästle Altusried. Auf erneuerten, bequemeren Stühlen erlebten die Premierenbesucher einen Theaterabend zwischen herzhafter Heiterkeit und bedrückendem Ernst und machten schließlich ihrer Begeisterung in einem langen, kräftigen Schluss-Applaus Luft.

«Der Gott des Gemetzels» nennt die französische Autorin Yasmina Reza ihr Stück, doch so schrecklich wie der Titel ist die Handlung nicht. Es ist ein Gott des Streites, der Beleidigung und Erniedrigung, der die Menschen führt, an den auch (nach Yasmina Reza) die Hochzivilisierten glauben, entsprechend schonungslos übereinander herfallen und sich dabei selbst ruinieren.

Im «Gott des Gemetzels» sind es zwei gutbürgerliche Ehepaare, die wegen einer Rauferei ihrer Söhne zur vermeintlichen Versöhnung zusammenkommen, sich dann aber mit giftigen Worten «metzeln». Mit minutiöser Unerbittlichkeit analysiert die Autorin die Abblätterung des noblen Anstriches bis zum ordinären Untergrund.

Man kann darüber lachen, man kann aber auch aufgeschreckt in das eigene Innere blicken und ergründen, ob dort irgendwo in irgendeiner Gestalt der düstere Gott seine chaotische Fratze enthüllt.

Die Altusrieder Inszenierung lotete die Vielschichtigkeit des Stückes voll aus. Das von Siegfried Bösele und Adrian Ramjoué im sterilen Unschuldsweiß gestaltete Bühnenbild bietet einen vielsagenden Rahmen. Der altbewährte Regisseur Michael Ramjoué lässt den mehr und mehr abstoßenden Hahnenkampf gemessen anlaufen und steigert ihn zielbewusst zu schriller Lautstärke und fahriger Bewegung bis zum bitteren Ende. Eine Zeitlang hat man das Gefühl, «nur» im Boulevardtheater zu sitzen und ungehemmt lachen zu dürfen.

Sobald sich aber der böse Gott in ganzer Größe zeigt, wird es still im Saal. Den vier Darstellern werden viel Kraft und Wandlungsfähigkeit abgefordert. Zwischen sanften und schrillen Tönen bewegt sich Dr. Eva Wirthensohn als Véronique. Regine Fackler ist eine sensible Annette, die unkontrolliert in die Selbstzerstörung steuert. Sehr souverän, insgeheim aber verletztlich agiert Oliver Kammel als korrupter Anwalt. Komödiantisch perfekt, aber durchaus mit Tiefgang spielt Adrian Ramjoué den «Hamstermörder» Michel. Ein Quartett, das dem guten Ruf des Theaterkästles alle Ehre macht.

Weitere neun Aufführungen bis 25. Oktober. Karten: 01805/592200.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen