Special Muttertag SPECIAL

Weicht
Zwischen Bulldog und Bügelbrett

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Um 5.45 Uhr beginnt für Sonja Stuhler der Tag. Nachdem die 33-Jährige die Brotzeit für Tochter Lisa (8) und Sohn Tim (6) fertig gemacht hat, geht sie in den Stall, um Ehemann Hubert beim Melken unter die Arme zu greifen. 55 Kühe hat das Ehepaar aus Weicht in seinem landwirtschaftlichen Betrieb. «Da ist man schon eine Weile beschäftigt», erzählt die gelernte Bankkauffrau.

Tim und Lisa frühstücken derweil bei Oma Maria (75), die im Erdgeschoss des Hauses wohnt. Bis 8 Uhr hat Sonja Stuhler beide zum Bus Richtung Schule und Kindergarten gebracht; die Arbeit im Stall ist getan. Bleibt nur noch der Kleinste im Bunde, der zweijährige Simon. Mit ihm im Schlepptau steht jetzt der Haushalt an, erklärt die dreifache Mutter: «Es sei denn, es ist Sommer. Dann gehe ich mit aufs Feld und helfe bei der Ernte.»

Traktor fahren, mit Maschinen hantieren - für die 33-Jährige kein Problem, wie sie lächelnd erklärt: «Ehrlich: Das ist mir lieber als Putzen.» Vor neun Jahren sagte Sonja Stuhler ihrem einstigen Job als Bankkauffrau ade. Seither stehen Familie, Hof und Haushalt im Mittelpunkt. Die Umstellung sei dabei gewaltig gewesen. «Im Gegensatz zum Büro kann ich meinen Tag jetzt kaum planen.

Jederzeit kann eine Kuh krank werden oder eine Maschine kaputt gehen», erklärt die 33-Jährige, die selbst aus einer bäuerlichen Familie kommt. Nichtsdestotrotz sei die Umstellung besser als gedacht gelaufen.

Heute ist sie für ihre Tätigkeit Feuer und Flamme: «Mit einer Bäuerin verbinden die Meisten ausschließlich komische Sachen wie Stall, Kühe und Dreck.» Dabei biete der Beruf viel mehr. «Mit der Natur zu arbeiten oder ein Tier gesund zu pflegen, hat zweifelsohne was», meint Stuhler.

Um den Bezug zum alten Job nicht ganz zu verlieren, kehrt die dreifache Mutter einmal pro Woche ins Büro zurück und kümmert sich um die Organisation einer landwirtschaftlichen Einkaufsgemeinschaft von 87 Bauern. Trotz der Vierfachbelastung zwischen Haushalt, Familie, Hof und Büro bleibt die 33-Jährige jedoch bescheiden: «Mit Sicherheit ist es oft stressig. Aber jede Mama hat einen 24-Stunden-Job.»

Während sich viele Muttis am Sonntag ausgiebig feiern lassen, hält sich die Begeisterung der 33-Jährigen für den Muttertag jedoch in Grenzen. Gefeiert werde nicht, verrät Stuhler: «Ich finde den Tag viel zu kommerziell. Mir ist es viel wichtiger, eine schöne Zeit mit meiner Familie zu haben.» Lediglich die Omas bekommen eine Kleinigkeit. «Denn was die leisten, ist unbezahlbar», erklärt die dreifache Mutter.

Um 17 Uhr geht es für Sonja Stuhler schließlich noch mal für zwei Stunden in den Stall: Abendmelken. Die «schlimmste halbe Stunde des Tages» stehe ihr dann aber noch bevor, wie sie mit einem Lächeln erklärt: «Die Kinder müssen ins Bett - und haben wohl wenig Lust dazu.» Wenn sogar das geschafft ist, folgen noch die «Aufräumarbeiten» oder das ein oder andere im Haushalt. Wann endgültig Feierabend ist, will sie nicht verraten: «Aber es kann schon mal später werden.»

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