Buchloe
Zweites Paar Schuhe ins Auto

Es ist zum einen die Hitze, zum anderen die Bequemlichkeit. Wenn sich der Sommer von seiner besten Seite zeigt, setzt sich mancher Autofahrer mit Flip Flops oder Sandalen hinters Steuer. Verboten, glauben viele. «Das stimmt nicht», sagt hingegen Otto Hahn, Leiter der Buchloer Polizeiinspektion. Es gebe dafür kein Gesetz. Dennoch meint er: Wer mit solchem Schuhwerk fährt, schwebt permanent in der Gefahr, sich in den Pedalen zu verhaken und dadurch andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr zu bringen.

Ein Irrglaube, der sich hält

Der Irrglaube, dass Fahren mit offenen Schuhen oder gar barfuß bestraft wird, resultiere aus der Annahme, ein solches Verhalten verstoße gegen die Straßenverkehrsordnung. Nach Paragraf 58 darf ein Fahrer nur lenken, wenn er sich in einer solchen körperlichen und geistigen Verfassung befindet, dass er seinen Wagen zu beherrschen vermag. «Und mit Badelatschen zu fahren, ist auf jeden Fall fahrlässig», meint Hahn. Das heißt: «Wenn Dritte geschädigt oder gefährdet werden, kann ein Bußgeld verhängt werden», erklärt der Polizist. Wird bei einem Unfall gar ein anderer Autofahrer verletzt, kann es laut Polizei zu einer Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung kommen.

«Spezielle Kontrollen auf diesem Gebiet werden aber nicht durchgeführt. Das muss jeder für sich selbst entscheiden», sagt Hahn. Wenn aber die Buchloer Polizei auf Autofahrer mit unpassendem Schuhwerk stoße, würde sie die Verkehrsteilnehmer auf mögliche Gefahren hinweisen. «Nicht umsonst tragen auch Rennfahrer spezielles Schuhwerk, mit Badelatschen würden sie nicht weit kommen», erklärt er. Ausschlaggebend sei, wie geeignet die Schuhe sind, die Gas- und Bremspedale zu hundert Prozent richtig betätigen zu können. «Bei offenen Schuhen wie Flip Flops oder Sandalen ist die Gefahr groß, dass sich die Schuhe in den Pedalen verhaken und zur Gefahr werden», mahnt Hahn.

Außerdem sei das Risiko groß, dass man vom Pedal abrutsche. «Bei einer Gefahrenbremsung wird es dann gefährlich. Der Bremsschlag kann mit dem luftigen Schuhwerk nicht richtig ausgeführt werden. Wenn die Ferse keinen Halt hat, dann kann die nötige Kraft nicht aufgebracht werden, die bei einer Vollbremsung nötig ist», erklärt der Buchloer Polizeichef.

Hahn rät, feste Schuhe anzuziehen oder auf die stabileren Trekking-Sandalen zurückzugreifen. Wer auf Flip Flops nicht verzichten möchte, sollte sich deshalb Sandalen mit Riemen oder leichte Halbschuhe ins Auto zu legen, um das Schuhwerk vor den jeweiligen Fahrten zu wechseln.

Vor zwei Jahren hat sich auch das Oberlandesgericht mit diesem Thema befasst: Ein Lastwagenfahrer hatte in seinem Fahrzeug Schuhe getragen, die zwar vorne geschlossen, hinten aber offen waren. Er war zunächst zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Später revidierte das Gericht dieses Urteil.

Bisher müssen noch die Versicherungen für den Schaden aufkommen. Hahn schränkt aber ein: «Autofahrer riskieren ihren Versicherungsschutz. Denn inzwischen wird oft von Fall zu Fall entschieden.»

Bei Dienstfahrten gilt übrigens eine Ausnahme: Kommt es zum Unfall, drohen den Fahrern bei vielen Firmen Strafen wegen der Unfallverhütungs- und Dienstvorschriften.

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