Zweijährige Hängepartie

Von Markus Frobenius | Kaufbeuren/München/Bonn Über 800 von 1000 Bahnhöfen in Bayern sind nicht barrierefrei oder behindertengerecht. Das kritisiert die Vereinigung der bayerischen Behindertenbeauftragten und Behindertenbeiräte (VKIB). In Kaufbeuren möchte deshalb der Behindertenbeirat, dass die Bahn eine Einstiegshilfe anschafft, einen so genannten Hublift, mit dem Rollstuhlfahrer in ein Zugabteil gelangen können. So etwas gibt es bereits in Memmingen.

Vertraglich geeinigt

'Nach über zweijährigem Hin- und Herschieben der Zuständigkeiten war es Anfang 2007 endlich so weit, dass die Anschaffung für den Bahnhof Kaufbeuren in greifbare Nähe rückte', so der Sprecher des Beirates Klaus Felchner (siehe Chronik). Während die Deutsche Bahn (DB) und die Stadt Kaufbeuren sich inzwischen vertraglich geeinigt haben, fordert das Eisenbahnbundesamt (EBA) als Aufsichtsbehörde weitere Informationen, bevor es Finanzmittel stellen werde, so die Öffentlichkeitsbeauftragte Bettina Baader.

Der ganze Vorgang sehe fast nach einer 'Verhinderungsstrategie' aus, sagt dazu Felchner.

Doch die DB sperrt sich ihrer Meinung nach keineswegs gegen die Einstiegshilfe: Nach Gesprächen zwischen ihr und der Stadt sei am 29. Januar ein Vertrag geschlossen worden. 'Wir haben gegen die Installation von Einstiegshilfen nichts einzuwenden', beteuert Ingo Schüttke, Sprecher der DB Bayern. Zuvor habe die Bahn allerdings eine Reihe von juristischen, technischen und betrieblichen Fragen klären müssen. So hat die Stadt inzwischen Bedienpersonal für die Einstiegshilfe benannt und festgestellt, wie dieses rechtlich abgesichert ist. Denn damit der Hublift mitsamt dem Behinderten über einen alten Karrenweg zum mittleren Bahnsteig geschoben werden kann, muss das Gleis kurzzeitig vom Stellwerk gesperrt werden. 'Jetzt steht dem von unserer Seite nichts mehr entgegen.' Die DB warte nur noch auf die Finanzierungszusage des EBA.

'Nicht ausreichend begründet'

Der Antrag für zwei Einstiegshilfen sei bei der EBA eingegangen, bestätigt Baader. Dennoch habe das Amt eine Finanzierung vorerst abgelehnt: 'Der Antrag muss unseren Richtlinien entsprechen und nachprüfbare Zahlen und Fakten haben. Doch die Notwendigkeit wurde noch nicht ausreichend begründet', erklärt Baader. Nun müsse die DB die fehlenden Informationen nachreichen, damit die Mittel doch noch fließen können.

Schüttke wusste allerdings im Gespräch mit der AZ gar nichts davon, dass die DB Informationen nachliefern soll.

Am morgigen Samstag, 5. Mai, findet eine Sternfahrt behinderter Menschen aus ganz Bayern zum Marienplatz in München statt. Zu der Demonstration ruft die VKIB anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung auf. Informationen dazu gibt es unter der Telefonnummer (08342) 96 69 34.

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