Tage mit Sinn (11)
Zwei Pfarrer und ihre Sichtweisen auf Christi Himmelfahrt und Pfingsten

Jesus Christus fährt auf in den Himmel und der Heilige Geist kommt auf die Menschen nieder - das sind kurz gesagt Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Aber was bedeutet das genau? Was wird in den Kirchen zu Himmelfahrt und Pfingsten gefeiert? Darüber diskutieren in der Reihe «Tage mit Sinn» der evangelische Dekan Jörg Dittmar (rechts in unserem Logo, Kempten) und der katholische Regionaldekan Reinhold Lappat (Buchloe).

Dittmar: In der Apostelgeschichte von Lukas blieb Jesus 40 Tage und Nächte bei seinen Jüngern. Er erklärte ihnen alles, was sie bisher nicht verstanden haben. (lacht) Und das war ziemlich viel. Allerdings wird kein Ton davon erzählt, was Jesus erklärt hat. Er gibt also einen Sonderunterricht - und dann haut er ab. Pfingsten ist das Fest des aufgeklärten Christentums. Es sagt, was wir haben und was nicht - keinen Jesus Christus mehr, der uns ununterbrochen alles erklärt, was falsch ist und was richtig. Wir müssen mit dem auskommen, was er uns hinterlassen hat: die Heilige Schrift, unseren Verstand, unser Herz und unseren Glauben.

Lappat: Ja, wir sind jetzt allein in der Welt, aber Jesus gibt uns Beistand. Er möchte uns stärken. Himmelfahrt empfinden wir Katholiken so: Wir sind mit beiden Füßen auf der Erde, aber dabei vergessen wir auch den Blick nach oben nicht. Wir wachsen an dem Glauben, dass da mehr ist. Er geht uns dorthin voraus, wo unser Weg vollendet wird. Unsere Liturgiefeier ist entsprechend feierlich. Früher gab es in den Kirchen die Tradition, eine Christusfigur nach oben zu ziehen. Um für den Menschen sichtbar zu machen: Er geht von der Erde weg, aber er schickt uns einen Beistand.

Dittmar: (schmunzelt) In meinem Kinderreligionsbuch hatte ich ein Bild mit einer Wolke, aus der die nackten Füße von Jesus herausschauten. Das ist schon eine Herausforderung für den Glauben - und kein Bild, mit dem man umgehen kann. Ich habe diese Geschichte so vor Augen: Die Jünger sind allein gelassen, sitzen ängstlich herum und fürchten sich.

Lappat: Sie sperren sogar ab und machen alles dicht.

Dittmar: Genau. Aber durch das Pfingstereignis werden sie mutig, zu ihrem Glauben zu stehen. Auch, wenn das schwierig ist. Denn Jesus hat keinen Hauptjünger bestimmt. Es ist also von vorn herein eine Diskussionsveranstaltung. Die Jünger sind mit der Gabe des Geistes gefordert, einen eigenen Weg zu finden. Sie müssen irgendwie klarkommen.

Lappat: Dieses Klarkommen ist für mich als Katholik leichter, wenn ich weiß, er lässt mich nicht allein zurück. Der Heilige Geist sagt mir: Hinterm Horizont gehts weiter. Er eröffnet den Blick in einen anderen Zustand: Unsere Heimat ist im Himmel. Es ist ein Blick über dieses Leben hinaus. Das möchte ich nicht missen.

Frage: Was passiert bei diesem << Dalassen >>? Wie kommt der Geist auf die Menschen nieder?

Dittmar: Als züngelndes Feuer. Seit jeher wurden solche Bilder verwendet, um die Wirkung des Göttlichen zu zeigen: Wolken, Sturm, Feuer, Energie. Wichtig ist, dass diese göttliche Energie durch das Pfingstereignis auf und übergeht. Überspitzt gesagt: göttliche Menschen, die begeistern können und sich begeistern lassen.

Lappat: Alle Feste, die wir feiern, haben auch äußere Zeichen. Ein kleiner Bub erklärte mir das mal so: An Weihnachten kommt das Christkind, an Ostern der Osterhase und an Pfingsten gibts nichts. Für mich gibt es an Pfingsten jede Menge Energie. Das ist wie Strom. Er fließt und man kann ihn nicht sehen.

Dittmar: Doch, kann man. Aber es könnte falsch gedeutet werden. So wurde in der Pfingstgeschichte den Jüngern unterstellt, sie seien besoffen. Was ich sehe, sind begeisterte Menschen. Und Menschen, die sich verstehen - eine Menschenfamilie, in der Sprachen und Nationen keine Rolle spielen. Es wird betont, was uns verbindet, nicht, was uns trennt. Insofern steckt in Pfingsten ein Wahnsinnspotenzial für unsere Zukunft als Menschheit. Wir sollten öfter Pfingsten feiern.

Lappat: Stellt sich noch die Frage, wofür man sich begeistern lassen soll. Ich sage: Für die Welt. Dass wir zeigen, was uns bewegt. So wollen wir die Welt verändern zum Guten hin. Im Kleinen wie im Großen.

Dittmar: Und ich sage: Die von Jesus Christus neu verbundene Menschenfamilie - dafür begeistern wir uns.

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