Kempten
Zwei Männer stehen ihren Mann - notfalls auch in der Puppenecke

Eigentlich war es ihm bereits mit 16 klar: «Schon damals wollte ich am liebsten mit Kindern arbeiten», erzählt Josef Teufele. Doch als der heute 51-Jährige vor vielen Jahren aus der Realschule kam, konnten Männer in Kempten noch nicht Erzieher werden. Also arbeitete Josef Teufele erst einmal als Übertragungs- und Funktechniker, ging später zur Telekom und wurde Betriebsrat. Dann kam die Pensionierung - und mit ihr die Erfüllung eines Lebenstraums: Heute kümmert sich Josef Teufele, Vater einer Tochter, um Kinder und ist damit nebenbei der einzige männliche Mittagsbetreuer an einer Kemptener Grundschule. Und weil er auch die Fortbildung des Jugendamts absolviert hat, ist er obendrein der einzige Tagesvater weit und breit. «Ja, das war schon was, dieser Lehrgang allein unter Frauen», erzählt Josef Teufele und lacht. Um danach gleich wieder ernst zu werden. Denn dass es in der modernen Kinderwelt nur allzu oft die Männer als Vorbilder fehlen, ist für eigentlich ihn kein Grund zum Lachen.

«Männer sind unverzichtbar für die kindliche Entwicklung», sagt auch der Jugend-, Schul- und Sozialreferent Benedikt Mayer. Zum Beispiel, um vorzuleben, dass es mehr als eine Methode der Problemlösung gebe und auch verschiedene Denkweisen. Nur: Ob Krippe, Kindergarten oder Grundschule - in kaum einer Einrichtung treffen Kinder unter zehn überhaupt auf männliche Betreuer.

Und warum ist das so? «Ein Grund sind sicher die schlechte Bezahlung und die fehlenden Aufstiegschancen», sagt Max Wiedemann. Seit 15 Jahren leitet er den Lehrkindergarten auf der Halde und ist damit der einzige Erzieher Kemptens. Wobei er für sich selbst nicht das Wort Exot verwenden würde: «Über so etwas denke ich nicht nach - ich mache einfach das, was ich immer schon wollte.

» Anders als Josef Teufele konnte Wiedemann in Kempten Erzieher werden - er war vor über 20 Jahren sogar der erste männliche Schüler überhaupt an der Fachakademie für Sozialpädagogik. Mittlerweile, schätzt Wiedemann, gibt es in jedem Jahrgang zwei bis drei. Sinnbild der sich nur langsam verändernden Rollenbilder: «Bis vor einigen Jahrzehnten hieß die Akademie ja auch noch Seminar für Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen.»

Es gibt auch Vorurteile

Zurück zu Mittagsbetreuer Teufele an die Suttschule. 60 bis 70 Kinder verbringen dort ihre Nachmittage.

Für sie wird der Pensionär Teufele zum Hausaufgabenhelfer, Streitschlichter, Liebeskummer-Tröster, Verlorene-Fußbälle-Wiederbeschaffer, Springseil-Entknoter, Puppenonkel, Zöpfe-ins-Mädchenhaar-Flechter und Malpapier-Austeiler in Personalunion. Vier Stunden am Tag, fünf Tage die Woche.

Und wie sieht es mit Vorurteilen aus? «Die gibt es», sagt Teufele. Nicht selten aufseiten der Frauen. «Manche fragen sich, ob sie sich wegen mir irgendwie ändern müssen oder ob ich ihnen etwas wegnehmen will.» Doch gerade dieses Aufbrechen alter Klischees findet er auch spannend. «Vor allem aber geht es mir um die Kinder.»

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