Zuschütten oder als Attraktion zeigen?

Kempten | bec | 2000 Jahre Stadtgeschichte sind es, die derzeit auf dem St.-Mang-Platz wie ein offenes Buch ausgebreitet liegen. Und jeden Tag finden die Archäologen in und um die freigelegte Erasmuskapelle neue Fragmente - teils aus römischer Zeit, teils aus dem Mittelalter -, die helfen, Geheimnisse alter Zeiten zu entschlüsseln. Doch ist das, was Jahrhunderte lang im Erdreich schlummerte, wirklich so bedeutend? Sind die Funde derart wichtig, dass die Stadt dafür viel Geld in die Hand nimmt, um einen unterirdischen Schauraum zu schaffen?

Das ist noch nicht raus, war am Dienstagabend das Ergebnis, nachdem sich der Bauausschuss vor Ort informiert hatte. Die Fundstücke müssten erst genau geprüft werden, hieß es. Und man wolle sich demnächst in Regensburg einen Schauraum ansehen, um Eindrücke zu gewinnen.

Von einem «durchaus wertvollen Baudenkmal» sprach vor Ort Kulturamtsleiter Dr. Gerhard Weber und davon, dass dieses Denkmal eine Chance biete, ein einmaliges Stück Kemptener Geschichte aufzumachen. Jedoch müssten Einzigartigkeit und Alleinstellungsmerkmale der Erasmuskapelle noch ermittelt werden. Fest stehe jedoch, dass die Kapelle bald winterfest gemacht werden müsse. Zwar hätten die Restauratoren den Verputz als «erstaunlich gut erhalten» bewertet. Dennoch müsse man handeln. Eine Lösung wäre laut Weber ein Zelt.

Unter Zeitdruck

Doch was soll generell mit den Überresten der Kapelle passieren? Zuschütten oder Schauraum? Das ist die Frage und die Entscheidung muss bis Januar fallen. Denn wie mehrfach berichtet steht die Stadt unter Zeitdruck. Schließlich soll die Gestaltung des St.-Mang-Platzes bis Herbst 2009 abgeschlossen sein.

«Soviel ist klar: Auch das Zuschütten kostet», erläuterte Baureferentin Monika Beltinger. Um das Denkmal zu erhalten, seien eine Konservierung des Putzes, Drainagen, ein Schutz der Mauerkronen und eine Trennung zwischen Putz und Auffüllmaterial notwendig. 100000 bis 200000 Euro könnte das kosten. «Und wenn wir einen Schauraum machen, müssen wirs gescheit machen», meinte Beltinger, damit daraus eine echte Attraktion werde.

Ein gelungenes Beispiel gebe es in Regensburg, wo mittelalterliche Kelleranlagen eines Judenviertels mit darunter liegenden römischen Ausgrabungsstellen zum Schauraum verwandelt wurden.

Zu einem «sorgfältigen Vorgehen», mahnten Siegfried Oberdörfer (SPD) und Karl Sperl (CSU). Wie alle anderen Bauausschuss-Mitglieder stimmten sie für Beltingers Vorschlag, mit dem gesamten Stadtrat den Schauraum in Regensburg zu besichtigen. Zudem soll das Regensburger Architekturbüro, das den dortigen Schauraum plante, einen Vorentwurf für Kempten erarbeiten, um eine Vorstellung von den Kosten zu bekommen.

Ob das nicht eine Vorentscheidung sei, meinte Edgar Rölz (CSU). «Nein», antwortete OBDr. Ulrich Netzer: «Wenn wir die Kapelle jetzt ohne weitere Informationen zuschütten, würden die Bürger das nicht verstehen.» Anders herum funktioniere das schon.

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