Zurück in die Vergangenheit

Die Klasse 9e der Realschule Buchloe besuchte vor den Sommerferien das Isergebirgsmuseum in Neugablonz. Dort führten Manfred Heerdegen und Thomas Schönhoff die Schüler durch das Museum, außerdem interviewten Schüler die Zeitzeugen Gertrud Hofmann und Werner Warta und erfuhren so einiges über die Vertreibung aus Gablonz nach dem Zweiten Weltkrieg.

'Es war mehr als dramatisch, als uns die Amerikaner eines Morgens abholten und uns in einen dunklen Lastwagen schafften', berichtet Gertrud Hofmann, als sie von den Schülern zu ihren Erlebnissen nach dem Zweiten Weltkrieg befragt wird.

Sie musste mit gerade einmal sechs Jahren ihre Heimat Gablonz in der damaligen Tschechoslowakei verlassen und ein komplett neues Leben in Deutschland beginnen. Wenn Gertrud Hofmann von 'Heimat' redet, meint sie noch heute Gablonz.

Nachdem Hitlers Truppen im Oktober 1938 das Sudetenland noch unter Jubel der Bevölkerung einnahmen, wurde die Resttschechei im März 1939 auf brutale Art und Weise erobert. Verständlicherweise übte diese nun wenige Jahre später, nachdem Deutschland den Krieg verloren hatte, Rache auf die Sudetendeutschen aus und zwang sie, nach Deutschland zu emigrieren.

In einer interessanten Museumsführung erfährt die Gruppe, dass heute zwei Arten der Vertreibung unterschieden werden: Direkt nach dem Kriegsende 1945 wurde die 'wilde Vertreibung' durchgeführt: Die Bewohner wurden ohne Vorwarnung aus ihren Häusern geholt.

Sie hatten gerade einmal fünf Minuten Zeit, Gegenstände für ihre dreitägige Zugreise mitzunehmen; dass dadurch nicht viel Gepäck mitgenommen werden konnte, ist klar. 1946 hingegen gab es dann die 'geregelte Vertreibung', bei der die Sudetendeutschen immerhin vorher informiert wurden, wann sie abgeholt werden würden. Gertrud Hofmann und Werner Warta berichten, dass sie Teil der 'geordneten Vertreibung' waren.

'Es waren meist nur Großeltern, Frauen oder Kinder, die abgeholt wurden, da die meisten Männer entweder in Kriegsgefangenschaft waren oder gar im Krieg gefallen waren', erinnert sich die Zeitzeugin zurück.

Werner Warta war damals einer der wenigen Glücklichen, dessen Vater noch lebte. Er traf ihn in Kaufbeuren zwei Jahre nach dem sein Vater in den Krieg aufgebrochen war. 'Er hatte gehofft, wir hätten neue Kleidung für ihn dabei'. Nicht nur an diesem Zitat erkannten die Schüler deutlich, wie sehr sich die Zeiten gewandelt haben: Heute achtet man nur noch darauf, das neueste Handy zu besitzen, damals war man froh über ein einziges Gewand, das man dann über einen unvorstellbar langen Zeitraum tragen musste.

Die Ankunft in Kaufbeuren war oftmals von Widerwille geprägt. Die Einheimischen waren selbst von den Kriegsschäden schwer belastet; ihnen ist daher nicht zu verdenken, dass sie keine fremden Leute aufnehmen wollten, wozu sie dann jedoch ab 1946 gesetzlich gezwungen wurden.

Unsere Zeitzeugen können aber auch von anderen Geschichten erzählen: Im Laufe der Jahre entstanden tiefe Freundschaften und sogar Ehen zwischen Gablonzern und Allgäuern. Nicht nur am Schweigen der Schüler merkt man, dass sie vom Schicksal der Gablonzer Flüchtlinge betroffen sind.

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