Kaufbeuren
Zumindest im Computer bleiben die alten Farbschichten erhalten

Es ist eines der Prunkstücke im Bestand des Kaufbeurer Stadtmuseums. Ein romanisches Kruzifix, das um 1250, vielleicht aber auch schon hundert Jahre früher entstanden ist, und in späterer Zeit immer wieder übermalt wurde. Doch nicht nur die Skulptur an sich, sondern auch seine langwierige Restaurierung und die Herstellung des ursprünglichen Zustandes sind hochinteressant. Deshalb soll der Werdegang des Ausstellungsstücks im künftigen Museum mit einer Multimedia-Präsentation gezeigt werden. Für dieses ebenfalls aufwendige Vorhaben stellte die Bayerische Sparkassenstiftung nun 20000 Euro bereit, die örtliche Sparkasse legte noch 2500 Euro drauf.

Es ist ein Dilemma, dem Restauratoren immer wieder begegnen. Alte Farbschichten, egal ob auf Skulpturen oder Kirchenwänden, wurden in späterer Zeit oft mehrfach übermalt, um die Werke dem jeweiligen Zeitgeschmack anzupassen. Bei der Restaurierung stellt sich nun die schwierige Frage, ob die neueren Schichten zugunsten der älteren abgetragen und damit unwiederbringlich zerstört werden.

«Hopp oder topp», so sei die Alternative auch beim Kaufbeurer «Christkönig»-Kruzifix gewesen, das sich seit rund zwei Jahren in der Obhut des Instituts für Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft der Technischen Universität (TU) München befindet, so Museumsleiterin Dr. Astrid Pellengahr.

Angesichts der kunsthistorischen Bedeutung und nach intensiven Untersuchungen der Skulptur habe man sich darauf geeinigt, alle Farbschichten bis zur ursprünglichen romanischen Fassung abzutragen. Allerdings wurde dabei ausführlich dokumentiert, wie das Kruzifix zu verschiedenen Zeiten ausgesehen hat.

Im Zuge einer Doktorarbeit entwickelte ein Mitarbeiter der TU aus diesen Daten nun eine interaktive Computer-Präsentation. Diese soll später im Museum auf einem Bildschirm neben dem Kruzifix zur Verfügung stehen und den Werdegang des Kunstwerkes mit überaus plastischen Animationen dokumentieren.

Dies entspreche der Bedeutung des Ausstellungsstückes und sei museumspädagogisch wichtig, so Pellengahr, doch aus dem normalen Etat des Museums seien solche Ausgaben nicht zu bestreiten. «Wir können hier nicht eine aufwendige Präsentation finanzieren und auf der anderen Seite ebenfalls wertvolle Stücke unrestauriert lassen.» Deshalb habe man sich an die Sparkasse gewandt. Wegen der besonderen und «bayernweiten Bedeutung» des Kruzifixes reagierte die Bayerische Sparkassenstiftung und machte, ebenso wie die hiesige Sparkasse, Geld locker, berichtet Direktor Winfried Nusser. Entscheidend für die Mittelvergabe sei auch das fundierte Konzept der Museumsleitung gewesen.

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