Buxheim / Memmingen
«Zum Lärmschutz kann man noch gar nichts sagen»

Es ist die Ungewissheit, die zahlreichen Anliegern zu schaffen macht. Wie viele Züge werden nach der Elektrifizierung der Bahnlinie München-Memmingen-Lindau dort unterwegs sein? Wie stark ist der Lärm und was wird getan, um die Menschen vor Krach zu schützen? «Das ist ein ganz großes Thema in der Bevölkerung», sagt der Buxheimer Dr.Klaus Rüßmann. Er gehört in dem Ort einer Arbeitsgruppe an, die sich mit den Auswirkungen der Elektrifizierung beschäftigt.

Für neuen Zündstoff sorgt jetzt ein Schreiben, das Bürgermeister Werner Birkle von der Bahn bekommen hat. Darin geht es unter anderem um das Verkehrsaufkommen im Jahr 2015, wenn die Elektrifizierung abgeschlossen sein soll. In dem Brief ist von täglich 54 Personen- und neun Güterzügen die Rede. Zum Vergleich: Derzeit sind auf der Strecke 25 Personen- und zwei Güterzüge unterwegs. Durch diese Zahlen aus dem sogenannten Bundesverkehrswegeplan sieht sich Rüßmann bestätigt: «Was wir an Sorgen geäußert haben, wurde jetzt durch unsere vehemente Nachfrage untermauert.» Und Landtagsabgeordneter Josef Miller setzt noch eins drauf: «Es ist der Beweis dafür, dass es nötig war, die Bahn zu stellen.»

Andere Zahlen

Von viel niedrigeren Zahlen spricht dagegen Memmingens Oberbürgermeister Dr.Ivo Holzinger. Er geht beispielsweise davon aus, dass sich im Fernverkehr die Zahl der Zugpaare von drei auf sechs erhöhen wird. Die Reaktion aus den Reihen der Buxheimer Arbeitsgruppe: Es sei «der falsche Weg», die Menschen zu beschwichtigen. Doch Holzinger bleibt bei seiner Darstellung: Die Zahlen habe er vom schweizerischen Bundesamt für Verkehr. Die Strecke von München über Lindau nach Zürich sei insbesondere für die Ostschweiz «ein wichtiger Bestandteil der Anbindung an das europäische Eisenbahn-Hochleistungsnetz», so Dr.Max Friedli, Direktor des Bundesamtes.

Für die Eidgenossen ist die Strecke auch interessant als Zulauf zum Gotthard-Basistunnel, der derzeit im Bau ist und voraussichtlich 2017/18 in Betrieb gehen wird.

Gutachten liegt noch nicht vor

Wenn also im Fernverkehr nur sechs Zugpaare eingesetzt würden, so Holzinger weiter, dann sei die im Verkehrswegeplan genannte Gesamtzahl von 54 Personenzügen viel zu hoch angesetzt. «Glauben Sie im Ernst, dass auf dieser Strecke 42 Nahverkehrszüge unterwegs sein werden?», fragt der Rathauschef. Und für den Güterverkehr sei die Strecke nicht geeignet: «Topografisch schwierig und eingleisig.» Dennoch fürchten Anwohner, dass der Krach nach der Elektrifizierung viel größer wird. Das Lärm-Gutachten der Bahn liege noch nicht vor, so Dr.

Manfred Seume von der Buxheimer Arbeitsgruppe. «Zum Lärmschutz kann man noch gar nichts sagen», betont ein Bahnsprecher. Die Planungen würden zeigen, ob eine Notwendigkeit besteht. Im Schreiben an Birkle macht die Bahn den Buxheimern dagegen Hoffnung, dass sie vor Krach geschützt werden. Ein Brief des Bundesverkehrsministeriums sorgt für weitere Verunsicherung bei Anliegern. Man gehe davon aus, dass «keine zusätzlichen Lärmschutz-Maßnahmen im Bereich der Gemeinde Buxheim erforderlich werden», heißt es dort. Allgäu Rundschau

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