Lindenberg / Westallgäu
«Zum Huttragen gehören eine gewisse Reife und Stil»

Rund 90 Auftritte hat Conny Brendle als 4. Hutkönigin abgeleistet, so viele wie keine Majestät vor ihr. «Ich würde es sofort wieder machen», lautet ihr Fazit drei Wochen vor dem Amtswechsel, am Huttag (16. Mai).

Die Heimatzeitung sprach mit der 43-jährigen selbständigen Kauffrau aus Wilflingen (Landkreis Biberach), bei einer Hutmodenschau im Seniorenzentrum St. Martin:

Ihre zweijährige Amtszeit neigt sich dem Ende zu. Gibt es noch viel zu tun?

Conny Brendle: Ich habe noch mehrere Termine, die ich noch richtig auskoste. Ende April die Eröffnung der Gewerbeschau «Wangener Welten», am 8. Mai mit der Blumenkönigin zur Eröffnung von «Memmingen blüht», ein Oldtimer-Treffen am 9. Mai mit Hutmodenschau in Hohentengen und am 14. Mai ein Heimspiel bei den Senioren in Langenenslingen. Zur Maibaumfeier in Lindenberg komme ich übrigens in Begleitung des SWR-Fernsehens mit Oldtimerfreunden auf dem Motorrad.

Wieviele Hüte besitzen Sie inzwischen?

Conny Brendle: Vor zwei Jahren waren es zwölf Hüte, die ich abwechselnd trug; dazu habe ich etliche von meiner Tante geerbte Hüte. Im Lauf meiner Regentschaft kamen etwa 15 Hüte dazu. Meine Sammlung umfasst heute 60 Hüte, sorgsam in Schachteln geschützt. Der Ascot-Hut ist etwas ganz Besonderes. Der sollte ins geplante, neue Hutmuseum. Bis dahin trage ich ihn noch ein paar Mal.

Die schönsten Momente Ihrer hoheitlichen Amtszeit?

Conny Brendle: Von meinen 90 Terminen waren vielleicht 20 oder 25 Pflichttermine. Die anderen habe ich freiwillig und gern gemacht. Die tiefsten Erlebnisse hatte ich in Altenheimen. Das Größte war natürlich der Blickkontakt mit Königin Elisabeth beim Pferderennen in Ascot. Anrührend war die Begegnung mit einem herzigen Büble während einer Autogrammstunde beim Stadtfest.

Der Dreijährige fragte, ob er auch ein Bildle haben könne und reichte als Gegengabe ein Bonbon - schon ausgepackt.

Was muss ihre Nachfolgerin mitbringen, um eine gute Hutkönigin zu sein?

Conny Brendle: Sie muss zumindest einen Hut mitbringen (lacht). Im Ernst. Zum Huttragen gehört eine gewisse Reife, um Stilsicherheit zu haben. Sie mus sich auf die Lindenberger Hutgeschichte einlassen, das Amt mit ganzer Leidenschaft und mit Herz ausfüllen, es Ernst nehmen. Sie sollte die Menschen mögen, kontaktfreudig, freundlich und sympathisch sein. Es muss kein Model sein; eher sind innere Werte gefragt - und soziales Engagement.

Gilt für Sie nach dem 16. Mai die Devise: aus den Augen, aus dem Sinn?

Conny Brendle: Im Gegenteil. Ich bleibe sowohl der Hutstadt Lindenberg als auch meinen Hüten eng verbunden. Ich geniesse es, Hüte zu tragen. Es ist mir nie lästig. Huttragen ist eine alte Familientraditon. Bei uns war es üblich, sonntags in die Kirche mit Hut zu gehen. Ich werde die Freundschaften pflegen, die ich mit Lindenbergern begonnen habe

Wird Ihnen das Amt fehlen?

Conny Brendle: Natürlich. Ich würde es sofort wieder machen. Ich habe es keine Sekunde bereut. Es war hundertprozentig schön. Aber mir wird nicht langweilig werden, wenn Sie das meinen. Als Chefin eines Fliesen-, Sanitär- und Natursteinhandels werde ich mich künftig wieder mehr um meine Firma kümmern. Ich baue gerade ein Business-Netzwerk für Frauen auf. Und dann freue ich mich, meiner Leidenschaft für den Schiesssport wieder im Mannschafts-Wettkampf nachgehen zu dürfen.

Geben Sie dem Hut eine Zukunft?

Conny Brendle: Ich kann mir eine Renaissance des Huts vorstellen. Ich hoffe, dass ich einen kleinen Teil dazu beitragen konnte. Hüte sind, wie Sonnenbrillen, zu Accessoires geworden, womit man sich modisch abhebt von der Masse. Das ist im Trend. Viele Schauspieler, oder die jüngsten Superstars von DSDS tragen Hut. Vorjahressieger Daniel Schuhmacher konnte ich in Pfullendorf vor 15000 Zuschauern ein Modell aus Lindenberg überreichen. Männer sind übrigens mutiger als Frauen beim Huttragen.

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