Marktoberdorf
Zum Geburtstag ein jazziges «Gloria»

Nein, auf die Idee, Gedichte oder literarische Texte zu vertonen, sei er noch nicht gekommen. Wolfram Buchenberg wirkt irritiert, überlegt kurz. «Ich verwende geistliche Texte oder auch schon mal eine Fantasiesprache » « die die Chorleiter, dann erst lernen müssen», unterbricht ihn Karl Zepnik. «Genau», sagt Buchenberg und grinst. «Mit einer Fantasiesprache kann man manchmal Stimmungen besser ausdrücken», sagt der 46-Jährige aus Engelpolz (bei Rettenberg, Oberallgäu) und lässt Töne wie «zisch» und «ei» hören und vollführt dazu mit den Händen «Luftschlangen». «Gloria» heißt eine seiner neuesten Kompositionen, die am kommenden Samstag, 25. Juli, beim Festkonzert zum 25-jährigen Bestehen der Bayerischen Musikakademie Marktoberdorf uraufgeführt wird.

Lateinisch wird dieses «Gloria» gesungen und bei seinen Nachforschungen in der Vulgata, dem lateinischen Bibel-Originaltext, ist Wolfram Buchenberg darauf gestoßen, dass der gebräuchliche Hymnus Gloria in excelsis Deo («Ehre sei Gott in der Höhe») eigentlich «Gloria in altissimis Deo» heißt. So entschied er sich in seinem «Gloria» für letzteren Wortlaut. Doch was sein Werk vor allem auszeichnet, ist die Tatsache, dass es nicht nur für einen Chor geschrieben wurde, sondern gleichzeitig auch für eine Bigband.

Verschiedenes zusammenführen

Die Idee dazu hatte sein Freund Karl Zepnik, seines Zeichens künstlerischer Leiter der Musikakademie Marktoberdorf. In einem musikalischen Auftragswerk die Akademiebereiche zusammenführen, war dessen Vorstellung. Und Wolfram Buchenberg, der das Gymnasium in Marktoberdorf besuchte, im Carl-Orff-Chor sang und auch bei diversen Kursen in der Musikakademie als «Composer in Residence» arbeitete, war für Zepnik erste Wahl. Vor allem auch deshalb, weil er Buchenbergs Kompositionen schätzt. «Buchenberg schreibt so, dass es den Sängern auch Spaß macht, das zu singen», betont der 50-jährige Akademie-Leiter, der Mitglied beim Chor des Bayerischen Rundfunks war und mit seinem Mendelssohn Vocalensemble zahlreiche internationale Wettbewerbe gewann.

Ihr gesangliches Rüstzeug lernten Zepnik und Buchenberg bei dem Marktoberdorfer Chorleiter Arthur Groß. «Er gab uns entscheidende Impulse», sagt Zepnik und Buchenberg nickt. «Arthur Groß kann einfach Jugendliche fürs Singen begeistern, durch seine Persönlichkeit, Mentalität und positive Ausstrahlung», fügt Buchenberg hinzu.

Der Oberallgäuer Komponist lehrt seit 1988 an der Musikhochschule in München und ist als Komponist ein gefragter Mann. Seine Motette «Ich bin das Brot des Lebens» erklang beispielsweise 2006 beim Besuch von Papst Benedikt XVI. im Rahmen einer Messe in Regensburg. Das renommierte Calmus-Ensemble (Leipzig), das heuer sein zehnjähriges Bestehen feiert, bestellte bei ihm jüngst eine Psalm-Vertonung.

Kompositorisches Neuland

Und als im Herbst vergangenen Jahres Karl Zepnik auf ihn zukam mit dem Wunsch nach einem Stück für die Musikakademie nahm Buchenberg den Auftrag auch deshalb an, weil es ihn reizte, kompositorisches Neuland zu betreten. «Mit Bläsern hatte ich zwar schon Erfahrung, aber nicht mit einer ganzen Bigband.» Bei einer Kombination, die Chor und Bigband zusammenführt, müsse man vor allem aufpassen den Chor nicht zu erdrücken. Anklänge an Latin-Jazz habe sein «Gloria», das nun am Samstag von rund 80 Sängern und 20 Jazz-Musiker erstmals aufgeführt wird.

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