Kempten
Zuhörer in eine heile Welt entführt

Am Ende wischte sich so manche Besucherin Tränen der Rührung aus den Augen. Und auf vielen Gesichtern der knapp 500 Kornhaus-Gäste malte sich nach dem rauschenden Schlussbeifall im Stehen jenes fast schmerzliche, bittersüße Glücksgefühl, wie beim Happy End eines Liebesfilms, wenn im Kino das Saallicht wieder angeht.

Kein Wunder: «Time to say Goodbye» aus der Titanic-Schmalzfabrik war die zweite und letzte Zugabe beim Konzert «Im Zauber von Oper, Operette und Film». Gertrud Hiemer-Haslach ließ da noch einmal ihren starken, warmen Sopran erstrahlen, Dietmar Schreibmayer schmetterte seinen Tenor-Part im herrlichsten Belcanto, und Gattin Sigrun Schreibmayer begleitete die beiden Sänger wie immer mit sicherem Gespür am Flügel.

Lebendig gesungene Lieder

Es sind aber nicht nur die makellos und lebendig dargebotenen Lieder aus Operette, Oper und Film, mit denen dieses perfekt eingespielte Team die Herzen des Publikums mittleren Alters eroberte.

Extra-Beifall rauschte auf, wenn Gertrud Hiemer-Haslach im Kleinen Schwarzen mit knallrot-verruchter Vamp-Federboa wiegenden Schritts von der Bühne herab in die Zuhörer-Reihen schlenderte, einen Zarah-Leander-Song trällerte («Nur nicht aus Liebe weinen») und sich kokett auf den Schoß eines verschämt-erstaunten, graumelierten Herrn setzte: «Für eine Nacht voll Seligkeit, da geb ich alles hin ». Oder wenn Dietmar Schreibmayer nach der Schluss-Verbeugung die Dame, die ihm eine rote Rose überreichte, federleicht hochhob und die zart Erschreckte herumwirbelte.

Auch die augenzwinkernde Moderation Sigrun Schreibmayers gehörte zu den scheinbar nebensächlichen Freuden des Publikums an diesem Abend. Einmal zeigte die routinierte Klavierbegleiterin und Musiklehrerin ein T-Shirt vor mit farbigem Aufdruck «3. Februar 2009 - 200. Geburtstag von Felix Mendelssohn Bartholdy». So kündigte sie eines der romantischen «Lieder ohne Worte»-Intermezzi an, mit denen sie virtuos Sing-Pausen füllte.

Neues Stück, neues Kostüm

Diese Pausen wurden von den beiden Sängern nicht in der Garderobe vertrödelt. Zum Umziehen brauchten sie diese Minuten.

Dann erschienen sie in Landhaus-Tracht und Dirndl fürs «Weiße Rössel am Wolfgangssee», in Zigeuner-Look mit Lederstiefeln für «Komm, Zigan», in Opernfrack mit Seidenschal für «Zwei Herzen im Dreivierteltakt». Optik, Tempo und musikalisches Können dieses Künstler-Trios täuschten über die doch recht einfältig-kitschigen Operettentexte wie «Tausend kleine Englein singen: Habt euch lieb» hinweg. Wichtiger sind ja die beschwingten Melodien von Benatzky, Lehar, Millöcker, Kálmán, Strauß und Stolz. Von denen sich - solange der Saal dunkel war - alle Liebhaber dieses Genres in die heile Welt der glücklich Verliebten entführen ließen.

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