Kempten
Zuhause im Allgäu und im Orient

Marianne Manda führt ein ungewöhnliches, quasi zweigeteiltes Leben. Die eine Hälfte des Jahres lebt und arbeitet die Künstlerin in Deutschland. In jüngster Zeit wieder in ihrer Geburtsstadt Kempten, in der sie gerade eine aktuelle Ausstellung im Tafelhaus präsentiert.

Das Winterhalbjahr jedoch verbringt Marianne Manda regelmäßig an Ausgrabungsstätten im Jemen. Dort ist sie als wissenschaftliche Zeichnerin zusammen mit einem Team aus Archäologen, Architekten und Geologen in einem Tempelareal in der Provinz Marib beschäftigt. Warum wird dort gezeichnet und nicht fotografiert? «Die Zeichnungen sind viel genauer als Fotografien, weil es bei den Fundstücken auf jede einzelne Haarsträhne ankommt, und für wissenschaftliche Vergleiche ist diese Genauigkeit unerlässlich», sagt die 1943 geborene Malerin und Grafikerin.

Im Jemen wohnt sie in einem verlassenen Krankenhaus. «Mein spartanisch geprägter Alltag beginnt morgens um 4 Uhr bei klirrender Kälte mit der Abfahrt zur Ausgrabungsstätte».

Hält sich Marianne Manda in ihrer Wohnung in Kempten auf, dann fertigt sie Radierungen und Druckgrafiken an ihrer Druckerpresse, oder malt auf dem eigens ausgebauten Dachboden. Dort hat sich die Künstlerin ein Atelier eingerichtet, rührt selbst ihre Farben an und bereitet die nächsten Ausstellungen vor, wie die aktuelle im Kemptener Tafelhaus.

Seit einem Jahr hat sie ihr Domizil wieder in der Kemptener Altstadt. Mittlerweile ist diese Wohnung, die sich über mehrere Etagen erstreckt, selbst zu einem kleinen Kunstwerk geworden. Sie stellt eine klug inszenierte Mischung dar aus der Präsentation eigener Werkreihen und funktional und künstlerisch angeordneter Arbeitsplätze, die oft einen orientalischen Anklang besitzen. «Die vielen Mitbringsel aus dem Morgenland brauche ich für meine Kunstaktionen», sagt Marianne Manda.

Feuer-Performance im Museum

So wurde sie vor einigen Jahren vom Deutschen Bergbau-Museum in Bochum zu einer Feuer-, Licht- und Bewegungs-Inszenierung eingeladen. Sie schwebte in fließenden Stoffen als Schutzpatronin der Bergleute von einem Fördergerüst herab, aus dem Flamen schlugen. 2007 führte sie eine Performance als Galionsfigur in orientalische Gewänder gehüllt auf einem Frachtschiff im Amazonas durch. Demnächst plant sie eine weitere Schiffsreise mit Performance, die von einem Filmteam begleitet wird. «Zu diesen Aktionen bekomme ich offizielle Einladungen, und sie werden von den Veranstaltern auch dokumentiert», erzählt Manda. Sie habe als Performancekünstlerin mittlerweile internationales Ansehen erreicht.

Aktuell zeigt Manda im Tafelhaus Herbstgrafiken unter dem Titel «Ein Fest der Sinne». Zu sehen sind Radierungen in Hochtief-Technik, die alle in einem abstrakten Duktus gehalten sind und ihre Spannung durch eine geschickt inszenierte Farbigkeit beziehen.

Zu sehen ist die Ausstellung im Tafelhaus Kempten (Beethovenstraße 12) bis einschließlich 31. Dezember. Geöffnet Montag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. Freitags ist die Künstlerin anwesend. Besichtigungen sind auch nach Vereinbarung möglich (Telefon 0831/52 37 514). Die öffentliche Vernissage für die Ausstellung ist am heutigen Dienstag, 27. Oktober, um 19 Uhr. Es spricht Ursula Winkler, die Kemptener Museumsleiterin. Weitere Infos unter:

www.mariannemanda.com

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