Special Prozesse im Allgäu SPECIAL

Verfahren
Zugschießerei zwischen München und Kempten: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

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Fast acht Monate nach dem spektakulären Schusswechsel im Allgäu-Express München–Kempten erhebt die Staatsanwaltschaft Kempten nun Anklage gegen den überlebenden mutmaßlichen Schützen – unter anderem wegen zweifachen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung.

Der 45-jährige Augsburger hat nach Ansicht der Staatsanwaltschaft in voller Tötungsabsicht auf einen Polizisten gefeuert. Bei der Schießerei im März dieses Jahres waren drei Polizeibeamte zum Teil schwer verletzt worden.

Der 45-Jährige war nach der Schießerei beim Sprung aus dem fahrenden Zug schwer verletzt worden. Er sitzt seit der Entlassung aus der Klinik in Untersuchungshaft, macht zum Tathergang aber keine Aussage. Sein mutmaßlicher Komplize, ein 20-jähriger Russe, war ebenfalls nahe Kaufbeuren bei Tempo 90 aus dem Alex gesprungen und dabei getötet worden.

'Über das Motiv für die Schüsse können wir nach wie vor nur mutmaßen', sagte Gunther Schatz, Sprecher der Kemptener Staatsanwaltschaft gestern gegenüber unserer Zeitung. Gleiches gelte für das Reiseziel der beiden Männer, die ohne Gepäck, aber mit Handschellen und täuschend echt wirkenden Schreckschusspistolen unterwegs waren. In Ermittlerkreisen wird vermutet, dass das Duo möglicherweise auf dem Weg zu einem Drogengeschäft war.

Sowohl der überlebende 45-Jährige, ein Deutscher mit kasachischen Wurzeln, als auch der getötete 20-Jährige besitzen laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann ein umfangreiches Vorstrafenregister: Räuberischer Diebstahl, Wohnungseinbrüche und Drogendelikte sind dort ebenso zu finden wie erpresserischer Menschenraub.

Eine Personenkontrolle hatte die Schießerei ausgelöst

Auslöser für die Schießerei an jenem 21. März 2014 war eine Personenkontrolle durch zwei Bundespolizisten. Diese hatten in dem später getöteten 20-Jährigen einen wegen räuberischer Erpressung gesuchten Straftäter erkannt.

Im Lauf der Kontrolle hatten der junge Russe und sein 45-jähriger Begleiter ohne Vorwarnung ihre Schreckschusswaffen gezückt. In der Folge entwendete der 45-Jährige laut Anklage einem 57-jährigen Polizisten nach Schlägen auf den Kopf die Dienstwaffe und eröffnete das Feuer auf den zweiten Beamten. Insgesamt 17 Schüsse wurden abgegeben.

In Kürze soll ein forensisch-psychologisches Gutachten des 45-Jährigen vorliegen. 'Es wird Fragen nach einer möglichen verminderten Schuldfähigkeit, aber auch nach einer besonderen Gefährlichkeit des Angeschuldigten klären', erläutert Staatsanwaltschafts-Sprecher Gunther Schatz. Wann das Verfahren am Landgericht Kempten beginnen wird, sei schwer abzuschätzen – 'vermutlich nicht vor Januar', sagt Schatz.

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