Zugemacht und aus die Maus

Kaufbeuren | rim | Kurz vor zwei Uhr. Die Lager haben dicht gemacht, Feiernde stehen aber immer noch am Neptunbrunnen. Es klirrt, ein Bierglas zerspringt. 'Das ist das, was mich wahnsinnig macht', ruft Karl Höß (55), stellvertretender Chef der Kaufbeurer Polizeiinspektion. Da packt den erfahrenen Polizisten, der ansonsten ganz gelassen die 30 Bereitschaftspolizisten aus Königsbrunn während des Lagersleben koordiniert, also doch einmal die Leidenschaft. Scherben auf der Straße gehören zu dem, was den Polizisten in Rage bringt, wegen der Verletzungsgefahr.

Höß trommelt über Funk die Einsatzkräfte zusammen. Die Gastwirtschaften haben zu schließen. Das ist neu. Die Jahre zuvor durften sie bis fünf Uhr morgens ausschenken. Es kam zu Schlägereien, vor allem durch stark Betrunkene. '30 im Jahr 2005, 22 Schlägereien 2006', zählt Höß auf. Das soll sich in diesem Jahr bessern. 'Zuerst ins Rosental', weist Höß an. Dorthin, wo auch sonst die meisten Schwierigkeiten entstehen.

Dicht gedrängt stehen die konditionsstarken Lagerlebenbesucher. Die Pflastersteine schon leicht klebrig von den verschütteten Getränken. Die Polizisten bahnen sich einen Weg zum ersten Wirt. Die Stühle in der Kneipe hat er bereits hochgestellt. Trotzdem reagiert er sichtlich erschrocken und nervös, als er gefragt wird, ob er noch ausschenke: 'Um Gottes Willen. Es ist alles zu!'

Nebenan brummt das Geschäft. Der Hunger treibt Scharen in die Dönerbude. Vom Spieß wird fleißig geschnitten. Auch das geht nicht in Ordnung. 'Schluss jetzt', heißt es, nicht erst in einer viertel Stunde. Das stößt vor allem bei den Hungrigen auf Unverständnis.

Einer raunzt, dass das in München anders gehe, ganz anders, kulanter. 'Ich möchte hier noch etwas erleben, das gibt es doch nur einmal im Jahr.' Die Betrunkenen unter den Lamentierenden, also die Mehrzahl, kann dabei recht nervig werden.

Eine viertel Stunde später ist die erste Runde der Polizisten beendet. Wie von Geisterhand haben sich die Straßen geleert. Die Kirchturmuhr schlägt viertel vor drei. Höß schickt noch drei von der Bereitschaft rund um die Martinskirche. Auch in den Lagern soll es ruhig sein. 'Schickt's die Leute weg. Das Fest ist beendet', das klingt höflich, aber bestimmt. Wirklich pampig reagiert unter den letzten Gästen niemand. Eher erschrecken sie: 'Was so spät schon?' und gehen heim.

Um kurz nach drei ist kaum noch jemand in der Innenstadt. Erstaunt nimmt das Höß zur Kenntnis. Ein Kollege ruft an. Zufrieden zieht Höß am Hörer Bilanz: 'Alle Besucher sind raus. Zugemacht und aus die Maus.'

Viertel vor vier: Die Bereitsschaftspolizisten stehen vor den Gemeinschaftswagen, bald geht es nach Königsbrunn zurück. Glasscherben liegen zwischen den Pflastersteinen der Kaiser-Max-Straße, nur noch vom Fünfknopfturm dröhnt das Geschrei der Betrunkenen. Irgendwo geht das Fest immer weiter.

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