Kaufbeuren / Seeg
Zug ausgebremst: Freispruch

Es war eine hochriskante Aktion, die nur dank der Schnellbremsung eines Lokführers nicht in einer Kollision endete: Im April gab in der Nähe von Seeg ein Autofahrer an einem ungesicherten Bahnübergang Gas und fuhr trotz des herannahenden Regionalexpresses über die Gleise. Der Lokführer konnte vom Führerstand aus zwar das Kennzeichen des Autos erkennen, nicht jedoch den Fahrer. Der Wagen gehörte einer Ostallgäuer Firma und wurde überwiegend vom Juniorchef genutzt. Der 35-Jährige erhielt zunächst einen Strafbefehl über 1500 Euro samt siebenmonatiger Führerscheinsperre wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Schienenverkehr. Im Einspruchsverfahren vor dem Kaufbeurer Amtsgericht wurde er jetzt freigesprochen, weil nicht ausgeschlossen werden konnte, dass auch noch andere Personen Zugang zu dem Auto hatten.

Vor Gericht machte der Ostallgäuer von seinem Schweigerecht Gebrauch. Und auch bei seiner polizeilichen Vernehmung hatte er lediglich eingeräumt, dass er das fragliche Fahrzeug regelmäßig nutzt. Nachdem jetzt auch der ermittelnde Polizeibeamte als Zeuge erklärte, dass es sonst keine Beweise gab, beantragte die Staatsanwältin einen Freispruch. Dass der Vorfall nicht geklärt werden konnte, hatte für den Richter im Urteil dann zwar «ein bisschen einen bitteren Beigeschmack»: Letztlich sah aber auch er im vorliegenden Fall keine andere Konsequenz, als den Angeklagten frei zu sprechen.

Fast das Heck weggefahren

Am Vorfall selbst gab es dagegen keinerlei Zweifel. Der Lokführer hatte das Szenario als Zeuge eindringlich geschildert: Er sei damals aus Richtung Füssen kommend auf Seeg zugefahren und habe vorschriftsmäßig durch akustische Signale auf den Zug aufmerksam gemacht. Auf einer Straße habe er ein Auto gesehen, das auf einen ungesicherten Bahnübergang zufuhr und zunächst auch langsamer wurde. Statt anzuhalten, habe der Fahrer dann jedoch plötzlich Gas gegeben. Ohne die sofortige Schnellbremsung, so der Zeuge, «hätte ich ihm das Heck weggefahren.»

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