Kaufbeuren
Zither und Gänsehaut

Unter dem Motto «Wahlverwandt» lud der Verein zur Förderung der Kirchenmusik zu einem hochinteressanten Konzert in die Blasiuskirche in Kaufbeuren ein. Das Musikertrio «Psalteria Innsbruck» mit Barbara Aichner (Violine), Isolde Jordan (Alt-Blockflöte, Zither und Schlagwerk) sowie Harald Oberlechner (Zither) bot äußerst vielfältige Musik und stellte nebenbei die Zither als ernst zu nehmendes Konzertinstrument vor.

Frei nach der Devise «gute Musik gibt es überall», unabhängig von Entstehungszeit, -ort oder Stil, bewegten sich die drei Musiker ohne Scheuklappen, technisch ausgefeilt und mit hoch entwickeltem Gespür für Klangfacetten zwischen Musik des 16. Jahrhunderts, zeitgenössischen Werken, Jazz und alpenländischer oder internationaler Volksmusik. Gerade die Lust am Nebeneinanderstellen von Gegensätzlichem machte im Programmverlauf deutlich, was die Musiker mit «Wahlverwandt» meinen: Qualität als Konstante in einer Vielfalt aufregender Klangereignisse.

Schon die ersten vier Programmpunkte tauchten die Zuhörer in ein anregendes Wechselbad: Nach einer schlank-geschärften «Sinfonia» von Heinrich Schütz hatte das Trio die moderne Komposition «Frei» aus «Pentagramm» von Günter Andrich (geboren 1961) zwischen die «Recerdada 1+2» von Diego Ortiz gestellt.

Den durchaus spritzig-rauen, zum Teil perkussiv geprägten Ortiz-Ricercaren stand mit «Frei» ein ganz auf Klangeffekte ausgerichtetes Werk gegenüber: Die Zithern, durch Papierbögen oder ein aufgelegtes Glas präpariert, boten eine Vielfalt von ungewohnten Höreindrücken zwischen Glissandi, Glockensound, Regentropfen und asiatisch wirkenden Elementen, verbunden durch den Violinpart als sparsam mit Melodiefetzen arbeitendes Bindeglied. Nicht weniger interessant, wenn auch ganz anders präsentierte sich «Meditativ», ein weiterer Satz aus dem Andrich-Zyklus «Pentagramm». Irgendwo zwischen der Motorik Bachscher Präludien und indischen Mantras angesiedelt lebte dieses Stück vom Schwung seiner raffinierten Akzentverschiebungen. Ganz der Zither als klanglich überaus nuancenreiches Instrument gewidmet waren anschließend zwei Werke von Gaspar Sanz (1640 bis 1710).

Oberlechner wusste bei «Passacalles» ebenso Augen und Ohren zu faszinieren wie im sonnendurchflutet-flirrenden «Canarios»-Satz.

Verwobenes Akzentgeflecht

Wieder als Trio waren die Musiker in Oberlechners «Homabela» zu hören - ein diffizil verwobenes Akzentgeflecht für zwei Zithern und Violine mit Nähe zum Jazz. Reizvolle musikalische Ausflüge nach Estland, Österreich und in die Mongolei schlossen sich an.

Spaß auf der ganzen Linie machte danach ein Block mit alpenländischer Volksmusik - sowohl den Musikern, als auch dem Publikum.

Ausgefeilt in den Details gefiel das Trio mit frechen Schleifern, Lust am nicht allzu glatten Wohlklang, lebhaft-schwungvoller Artikulation und sicherem Gespür für die Charakteristika von Drehern, Jodlern und Walzern. Zwei Eigenkompositionen bildeten (fast) den Schluss des Konzerts. Isolde Jordans «Hochhinaus» begann mit einer Art reizvoll-sprödem Geigen-Flageolett-Riff, aus dem sich ein rasanter Wechsel zwischen meditativer Ruhe und zündender Klangverdichtung entwickelte. Oberlechners «Jazz exercise» traf mit lockerem Saitenparlieren die Spätsommer-Atmosphäre. Für einen effektvollen Schlusspunkt sorgte «Maseltov», dem begeisterter Applaus folgte.

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