Landwirtschaft
Ziel: Ein Allgäu ohne Gentechnik

«In der Natur ist alles sinnvoll und begründet, denn sie ist weisheitsvolle Schöpfung, ist vollkommen und hat immer recht. Alles ist wesentlich und bedeutungsvoll. Gegen die Weisheit der Natur zu handeln, ist Irrsinn.»

Walter Heim, 2004 gestorbener Bio-Pionier aus Maierhöfen (Westallgäu)

Kempten Regional sehr unterschiedlich ist die Bereitschaft der Bauern, in Selbstverpflichtungserklärungen auf den Einsatz von gentechnisch verändertem Futtermittel und Saatgut im Ackerbau zu verzichten. Im Oberallgäu wollen 80 Prozent der Bauern auf jegliche Art von Gentechnik verzichten. im Unterallgäu dagegen sind es nur 20 Prozent. Im Ostallgäu hat etwas mehr als die Hälfte der Landwirte unterschrieben. Ähnlich ist die Situation im Kreis Lindau.

Im Vorarlberger Götzis beginnt am heutigen Donnerstag eine Tagung, in der es um die Zusammenarbeit der gentechnikfreien Zonen im Allgäu, in der Bodenseeregion, in der Schweiz, in Vorarlberg und Baden-Württemberg geht.

Gentechnikfrei darf sich eine Region nennen, wenn mindestens zwei Drittel der Bauern die Selbstverpflichtungserklärung unterschrieben haben. Rechtsverbindlich ist an der Bezeichnung derzeit aber noch nichts. Dennoch streben alle Allgäuer Landkreise das Prädikat an. Im Oberallgäuer Landratsamt ist sogar eine Koordinierungsstelle der Regio Allgäu ins Leben gerufen worden. «Genial - eine Initiative für ein Allgäu ohne Gentechnik» lautet das Motto. Im Kampf für den Erhalt der gentechnikfreien Landwirtschaft sind sich viele Initiativen einig, die sonst nur wenig Gemeinsamkeiten haben: Der Oberallgäuer CSU-Landrat Gebhard Kaiser gilt als Vorkämpfer einer gentechnikfreien Zone, mit dabei ist der Bauernverband, der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM), der Bund Naturschutz, Greenpeace und andere örtliche Initiativen.

Besonders viele Bauern hätten überall dort unterschrieben, wo vor Ort persönlich Überzeugungsarbeit geleistet worden sei, berichtet Wolfgang Kühnl vom Ostallgäuer Landratsamt. Oft sei es nicht leicht, den Bauern die Vorteile einer Verzichtserklärung nahe zu bringen, meint der Unterallgäuer Bauernverbands-Geschäftsführer Helmut Mader: «Manche wollen sich nicht festlegen, zumal die Ackerbau-Betriebe ja zunächst keinen greifbaren Vorteil haben.»

Anders ist die Situation für Grünlandbetriebe. Inzwischen werben rund 15 Molkereien und kleinere Sennereien mit dem Qualitätslogo «Ohne Gentechnik». Bauern, die diese Betriebe beliefern, bekommen zumeist einen Milchgeld-Zuschlag von einem Cent pro Liter.

Christian Schiebel vom Oberallgäuer Landratsamt geht davon aus, dass sich in nächster Zeit weitere milchverarbeitende Betriebe oder andere Lebensmittelhersteller der Initiative anschließen. Schließlich gebe es keinen guten Grund, «sich auf die grüne Gentechnik zu stürzen.» Auch deswegen, weil die Abhängigkeit der Bauern von Agro-Gentechnikkonzernen mit dem Leitbild einer bäuerlichen Landwirtschaft nicht vereinbar sei.

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