Konzert
Zeitlos schön

Midge Ure. Geboren am 10. Oktober 1953 als James Ure (Midge leitet sich von der Umkehrung seines Rufnamens Jim dar). Ein Charakterkopf. Er steht - nachdem Barde Cy Curnin mit einer 25-minütigen Performance das Publikum aufgemuntert hat - auf der Bühne des Kaminwerks. Genau wie Curnin nur mit seiner Akustikgitarre bewaffnet. Und strahlt alleine durch seine Bühnenpräsenz einen unwiderstehlichen Charme aus. Erst recht, wenn er mit seiner brillanten, ausdrucksstarken, vor Phrasierungsgenialität strotzenden Stimme die größten Hits aus seiner knapp 40-jährigen Karriere intoniert. Lediglich begleitet durch die Akkorde seiner Sechssaitigen, die den Rhythmus zu den Stimmmelodien liefert.

Über anderthalb Stunden gelingt es dem ehemaligen Frontmann der New-Wave-Kapelle Ultravox, vierfachen Ehrenprofessor und von Queen Elisabeth II. in den Adelsstand erhobenen Fast-57-Jährigen, das Publikum mit seiner Stimmakrobatik respektive den «Unplugged»-Auslegungen seiner größten Werke in den Bann zu ziehen. «Fade To Grey», der von ihm mitverfasste Hit der New-Romantic-Kollegen von Visage, setzt noch in der Eröffnungsrunde ein erstes Achtungszeichen.

Das Ende des offiziellen Sets wiederum steht ganz im Zeichen von Ultravox: «Vienna» leitet die Hommage an seine frühere Band ein, mit der er im Vorjahr kurzzeitig eine erfolgreiche Reunion-Tour absolvierte.

Die durch eine ergreifende Gitarren-Improvisation eingeleitete nukleare Endzeithymne «Dancing With Tears In My Eyes» stellt erwartungsgemäß den Höhepunkt des regulären Programms dar, das durch das moderatere «If I Was» zu einem grandiosen Ende geführt wird.

Eigengewächse, Obskures und Überraschendes

Dazwischen gibt Ure Eigengewächse seiner mittlerweile zehn Soloalben sowie allerlei Obskures und Überraschendes zum Besten. Zum Beispiel einen noch nicht vollständig ausgearbeiteten Song. Oder die Neuinterpretationen des Tom-Rush-Hits «No Regrets» und der Small-Faces-Nummer «My Minds Eye». Oder aber exzellent in Szene gesetzte, vom dezent wehmütigen, schottisch-keltischen Klangambiente lebende Nummern wie «Man Of The World» und «Dont Let Me Go».

Den stimmungsvollen Schlusspunkt setzen die beiden Zugaben: «Somebody» vom 2000er Midge-Ure-Soloalbum «Move Me». Und zu guter Letzt «All Fall Down», ein Ultravox-Stück, das Ure noch für das 1986er Album «U-Vox» schrieb - dem letzten Studioalbum der Band vor ihrer Auflösung. Darauf nahmen die Briten eine konsequente Fortentwicklung ihres Sounds in Richtung fast folkmusikartiger, zeitlos schöner Rockmusik vor - bereits sehr inspiriert durch Ures Liebe zur Weltmusik. Eine einfach nur zeitlos schöne Komposition und ein zeitlos schönes, aber sträflich unterbewertetes Album. Zeitlos schön - wie Ures Auftritt.

 

Zur seiner brillanten Stimme reicht als Begleitung eine Akustikgitarre: Midge Ure gab vor nur 120 Zuschauern ein feines Konzert im Kaminwerk. Foto: Schöwe

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