Marktoberdorf / Ostallgäu
Zeitlimit für Umgehungspläne

Der Ostallgäuer Kreisausschuss hat sich für die Entscheidung, ob Ruderatshofen eine Umgehung erhält, ein Zeitlimit gesetzt. Wenn bis Ende Oktober keine realistische Chance besteht, die Flächen für eine Ostumgehung zu bekommen, wird die Verbindung zwischen Marktoberdorf und Kaufbeuren stattdessen mitten durch Ruderatshofen vorangetrieben. Zwei Punkte begründen laut Landrat Johann Fleschhut diese Eile: Zum einen sind die Brücken über die Kirnach im Ort sanierungsbedürftig, zum anderen steht bei der Bahn der Ausbau der Gleise an.

Vorhaben wird rund 5 Millionen Euro teuer

Rund 2,5 Kilometer lang und 5 Millionen teuer dürfte das Vorhaben sein. Bei Immenhofen soll die Kreisstraße im Bogen östlich um den Ort geführt werden und zwischen Hiemenhofen und Leichertshofen wieder in die bestehende OAL7 münden. Die Pläne werden seit Anfang der 90er Jahre diskutiert. Seit fast zehn Jahren besteht auch weitgehend Einigkeit, dass eine Umgehung kommen soll. Als erste Pläne vorgelegt wurden, regte sich aber Widerstand bei den Grundbesitzern. Die Trasse, so die Argumentation, durchschneide sehr gute landwirtschaftliche Flächen. Bei 18 Eigentümern, so Wolfgang Kühnl vom Landratsamt, sperren sich derzeit 17 gegen das Vorhaben. Fleschhut verwies auf einen einstimmigen Beschluss des Gemeinderats für das Projekt. Der Landkreis sei an einem Punkt, wo er nicht mehr unbefristet warten könne.

Favorisiert werde weiterhin die Umgehung. Falls diese nicht möglich sei, gebe es nur den innerörtlichen Ausbau als Alternative.

Stich unterstreicht die Dringlichkeit

Die Dringlichkeit der Umgehung unterstrich auch Ruderatshofens Bürgermeister Johann Stich, der mit vielen Gemeinderäten die Sitzung verfolgte. Unter der Verkehrsbelastung von 9500 Fahrzeugen pro Tag leide die Wohnqualität im Ort. Jüngere Bürger zögen deshalb weg, viele Häuser seien nur noch mit einer Person bewohnt oder leer: Stich nannte dies eine «katastrophale Entwicklung». Die Umgehung sei «lebensnotwendig für den Ort» und das Gewerbe. Eine Initiative wolle nun für die Umgehung Unterschriften sammeln.

Das Lebenselixier für die Verwirklichung werden Tauschgrundstücke sein, für deren Erwerb der Landkreis Flexibilität brauche und für die auch die Gemeinde Geld im Haushalt vorhalte.

Kreisrat Werner Himmer betonte als Bürgermeister Marktoberdorfs die überörtliche Bedeutung der Straße. Denn über die maroden Brücken könnten irgendwann schwere Lkw nicht mehr fahren.

Die Notwendigkeit der Umgehung war im Ausschuss völlig unstrittig. Diskussionspunkt war nur, ob sich der Landkreis ein Zeitlimit von fünf Monaten für die Entscheidung über das weitere Vorgehen setzen solle. Klar wurde auch, dass man in der Trassenführung flexibel sei, wenn dadurch weniger Grundstücke durchschnitten werden. Einhalten müsse man aber Kurvenradien für den Verkehrsfluss.

Appell an die Grundbesitzer, sich nicht zu sperren

Einstimmig verabschiedete der Kreisausschuss den Appell an die Grundbesitzer, sich gegen die Umgehung nicht zu sperren. Sollte bis Ende Oktober keine Einigung mit einem Großteil der Grundbesitzer erfolgen, werde man in die Innerortsplanung eintreten. Doch: Werden die Brücken und der Bahnübergang innerorts neu gebaut, wird eine Umgehung auf Jahrzehnte wohl nicht mehr verwirklicht. (vit)

Die Umgehung ist heute Abend auch Thema im Gemeinderat Ruderatshofen. Die Sitzung des Gremiums beginnt um 19.30 Uhr in der Gemeindekanzlei.

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