Kirche Umarmen
Zahlreiche Katholiken umarmen ihre Gotteshäuser

'Wir setzen uns ein für einen respektvollen Dialog auf Augenhöhe zwischen Klerus und Laien', heißt es in einer Erklärung des Pfarrgemeinderates der Pfarrei St. Ulrich in Kaufbeuren, der Kirchenverwaltung und des Pfarrers Werner Appelt. Gläubige des Bistums Augsburg in rund 140 Pfarrgemeinden bildeten am Sonntag Menschenketten um ihre Gotteshäuser. Sie wollten – wie es hieß – Zeichen setzen für ihre Pfarrei, für einen Dialog mit dem Bistum und gegen Reformen des Bischofs, die lokale Strukturen zerstörten.

Neben anderen Pfarreien im Umkreis 'umarmte' auch die Pfarrei St. Ulrich ihre Kirche. Über 400 junge und alte Menschen besuchten den Gottesdienst und konnten sich dann, wenn sie wollten, an einem Kreis um die Kirche beteiligen. Auch viele Gläubige aus anderen Pfarreien seien zu dem Gottesdienst gekommen, berichtete Pfarrer Werner Appelt.

Schulter an Schulter standen die Gläubigen in einem großen Kreis um das Gotteshaus. Sie sangen und äußerten ihre Wünsche über Megafone. Durch Klatschen wurden Forderungen wie die, dass 'Ulricher auch Ulricher bleiben wollten', und die Wünsche der Ministranten zum Erhalt von Jugendräumen und Jugendfreizeiten von den Beteiligten unterstrichen.

'Ich stehe im Kreis um unsere Kirche, weil für mich Kirche Miteinander bedeutet und nicht nur die Stimme eines Einzelnen ist', erklärte Klaus Hampl. Vor allem für den Erhalt der Ministrantengruppen stehe er, meinte Andreas Létang, der sich selbst bereits über zehn Jahre lang in der Gemeinde engagiere und seinen Kindern dieselbe Möglichkeit geben möchte.

Hoffen auf gemeinsamen Weg

Ermutigend sei die Aktion gewesen, so Appelt. Er hoffe, dass die Menschenkette als Zeichen für einen gemeinsamen Weg verstanden werde, den die Gläubigen gemeinsam mit ihrem Bischof gehen wollten.

Die von ihm angekündigte Fusionierung einzelner Pfarreien und der Aufhebung der pfarreieigenen Kirchenverwaltungen und Pfarrgemeinderäte entspräche nicht seiner Vorstellung von Subsidiarität. 'Menschen engagieren sich eher, wenn sie ein Geschehen direkt betrifft', so der Pfarrer. Er wünsche sich, dass sich Vertreter von Gemeinden und Abgeordnete der Diözese zusammensetzten und Lösungen für den Priestermangel suchten.

Die katholische Kirche, so ist man sich in St. Ulrich einig, befände sich derzeit in einer Extremsituation. Wenn St. Ulrich aufgelöst werde, nehme man den Gläubigen ihre kirchliche Heimat und wirkliche Seelsorge, wie sie in der Pfarrgemeinde betrieben werde. Darum habe er für die Liebe zur Kirche und für die Freiheit seine Pfarrkirche umarmt, so Pfarrer Werner Appelt.

Für die Aktion 'Kirche umarmen' und gegen die Reformpläne hatten auch die Gläubigen in Mauerstetten und Frankenried nach den Gottesdiensten Hand in Hand einen Kreis um ihre Pfarrkirchen St. Vitus und St. Andreas gebildet. Zuvor betonten die Pfarrgemeinderatsvorsitzenden beider Pfarreien, Josef Paul und Gerti Rink, dass sich die Aktion nicht gegen die geplante Pfarreiengemeinschaft mit Stöttwang richte.

Beide unterstrichen, dass sich die Pfarreien über die sehr frühe Entscheidung der Nachfolgebesetzung von Pfarrer Klaus freuen. 'Es geht bei dieser Aktion auch darum, welchen Beitrag jeder einzelne Pfarreiangehörige selbst leisten könne, um unsere Kirchen vor Ort zu stärken', so die Vorsitzenden.

Gut 100 Gläubige beteiligten sich auf dem Vorplatz der Irseer Klosterkirche mit Gesang und Gebet an der Aktion.

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