Oberallgäu
Zahl der Erkrankten ist «regelrecht explodiert»

Die Schweinegrippewelle hat das südliche Oberallgäu erreicht. Etliche Krankheitsfälle wurden in den vergangenen Tagen beim Gesundheitsamt in Sonthofen gemeldet. Vor einer Woche lag die Zahl der Meldungen noch bei gut 60, die meisten im nördlichen Landkreis. Gestern sprach das Gesundheitsamt bereits von 180 bestätigten Fällen.

«Seit zwei Wochen registrieren wir eine steigende Zahl an Schweinegrippe-Fällen. Am Mittwoch und Donnerstag ist diese dann regelrecht explodiert», sagt Dr. Ludwig Walters vom Gesundheitsamt in Sonthofen. Los gegangen sei es im nördlichen Landkreis, inzwischen sei die Welle auf den Süden übergeschwappt. Die Lage sei nicht dramatisch, da es keine schwerwiegenden Krankheitsverläufe gebe. Sorgen bereite aber, dass die Grippe auf «sehr steigendem Ast» sei - und die Impfungen erst begonnen hätten. Erkrankungen sind auch an Schulen und in Kindergärten bekannt. Das seien bisher Einzelfälle, beim Gesundheitsamt geht man aber von einer wesentlich höheren Dunkelziffer aus. Dass die Schulen jetzt geschlossen seien, werde den Verlauf lediglich etwas bremsen, aber nicht unterbinden. Und: Viele Kindergärten hätten auch während der Ferien geöffnet - hier könne sich die Grippe damit weiter ausbreiten.

Kindergarten «Mater Christi» kurzfristig geschlossen

Für diese Woche kurzfristig geschlossen wurde bereits der Kindergarten «Mater Christi» in Sonthofen-Altstädten. Grund ist ein Grippe-Verdachtsfall im Umfeld des Kindergartens. Es handle sich um eine Vorsichtsmaßnahme, um eine mögliche Infektionskette zu unterbrechen, sagt Helga Heim von der Verwaltung. Sie betont, dass es sich um keine behördliche Schließung der Einrichtung handle, sondern nur um eine Empfehlung des Gesundheitsamtes. Von tatsächlich erkrankten Kindern in Altstädten sei ihr bisher nichts bekannt.

Hintergrund: Das Gesundheitsamt hat als letztes Mittel die Möglichkeit, etwa eine ganze Schule zu schließen - bei vereinzelten Krankheitsfällen kann es aber laut Walters schon reichen, nur die jeweiligen Klassen nach Hause zu schicken.

«Wir versuchen gezielt, Kindergärten und Schulen für präventive Maßnahmen zu sensibilisieren», sagt Gesundheitsamtsleiter Dr. Alfred Glocker - zum einen durch entsprechende Schreiben und Empfehlungen, zum anderen aber auch durch Telefonate etwa mit den Schulleitungen. Wichtig sei, bewusst Hygienemaßnahmen einzuhalten - die Kinder immer wieder die Hände waschen zu lassen, quer zu lüften oder etwa darauf zu achten, dass in Wegwerftaschentücher geniest werde. Ein weiterer Appell: Kinder, die krank wirkten, sollten auf jeden Fall daheim bleiben.

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