Marktoberdorf / Ostallgäu
Zähes Ringen um ein Ostallgäu ohne Gentechnik

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«Für Gentechnik wird mit vielen unerfüllbaren Werbeslogans geworben», so sieht es Corrado Bayer (13) aus Marktoberdorf. Der Ertrag lasse sich nur kurzfristig steigern, die Probleme des weltweiten Hungers lassen sich damit nicht beseitigen, ist der Schüler überzeugt, der sich in der Kaufbeurer Greenpeace-Gruppe engagiert. Dass viele so denken, zeigen Umfragen. Dies bekräftigen auch rund 1000 Verbraucher-Unterschriften, die Corrado in einer bundesweiten Kampagne für Lebensmittel ohne Gentechnik gesammelt hat. Auch eine Trauchgauerin bewegte mehr als 1000 Bürger, für dieses Ziel zu unterschreiben.

Das Allgäu sollte sich daher als Region ohne Gentechnik im Agrarbereich profilieren. Dafür werben Landrat Johann Fleschhut und der gesamte Kreistag seit 2007, dazu appellieren alle 45 Gemeinden im Ostallgäu an die Bauern, dafür rührt der Ebersbacher Landwirt Leo Keller seit Jahren die Werbetrommel. Doch die Reihen sind noch nicht geschlossen. Bisher haben sich erst 45 Prozent der Ostallgäuer Bauern zum Verzicht verpflichtet.

Damit sich eine Region gentechnikfrei nennen darf, gibt es klare Richtlinien. Mindestens zwei Drittel der Landwirte müssen sich bei Pflanzenanbau und Tierfütterung zum Verzicht auf Gentechnik bereit erklären. Im Oberallgäu wurde dieses Ziel vor einem halben Jahr erreicht. Im Ostallgäu erfüllen aber erst rund zehn Orte diese Kriterien.

Als Ursache dafür vermuten Verantwortliche die Differenzen zwischen Bauernverband (BBV) und Bund deutscher Milchviehhalter (BDM). Weil die Initiative vom einem Verband (BBV) ausging, wollen die anderen nicht unterschreiben. Dies stieß bei einer Veranstaltung im Landratsamt auf Unverständnis. Hier sollte es um die Sache gehen und nicht um Verbandspolitik, forderte Landrat Fleschhut.

Christine Räder vom Arbeitskreis «Gentechnikfreies Allgäu» appellierte an die Bauern, sich zur Gentechnikfreiheit zu bekennen. Denn Agrargentechnik fördere Abhängigkeit von Konzernen und berge Gesundheitsgefahren in sich. Der Verzicht sei auch Verbraucherwille.

Leo Keller verwies darauf, dass sich auch das Einkommen der Bauern damit verbessere. In Tirol bekommen Bauern mit diesem Qualitätssiegel einen Cent mehr pro Liter Milch. Er berichtete, dass ab 2010 einige große Molkereien auf die Gentechnikfreiheit setzen wollen. Auch Discounter steigen nach Informationen von Lorenz Kreuzer aus Germaringen in diesen Markt ein. Seine Berufskollegen forderte Keller sehr eindringlich auf, sich diesem Qualitätanspruch zu verpflichten und so die Milch aus dem Allgäu als besonders hochwertiges Lebensmittel herauszustellen.

Auch touristisch punkten

Räder und Fleschhut sehen mit der Kennzeichnung «Ohne Gentechnik» ebenfalls gute Chancen, höhere Preise für Produkte aus Allgäuer Käsereien, Molkereien und Metzgereien zu erzielen. Sie hoffen neben der Verbesserung der Einkommen in der Landwirtschaft aber zudem, dass eine gentechnikfreie Region vom Bodensee über das Oberallgäu bis zum Ostallgäu touristisch punkten kann - zumal man sich auch als Gesundheitsregion verstehe.

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