Kempten
Würziges Gebräu

Was sich schon am ersten Abend abzeichnete, machte das zweite Konzert vollends klar: Auch das fünfte «Fürstensaal Classix» von Oliver Triendl und Dr. Franz Tröger in der Kemptener Residenz gerät zum vollen Erfolg. Eine Direktübertragung durch Deutschlandradio Kultur und die Aufzeichnung durch BR Klassik tun ein Übriges, um die Attraktivität des Kammermusikfestivals, das diesmal unter dem Motto «Russland à la Carte!» steht, zu steigern.

Nicht weniger als 16 glänzend gelaunte Solo-Stars, Bläser, Streicher und Pianisten, versammelten sich an Donnerstagabend zum Schlussbeifall auf der Bühne. Sie sind sich offenbar ihrer spielfreudigen, magnetischen Ausstrahlung bewusst.

Ein Wermutstropfen allerdings fällt ins würzige Gebräu russischer Kammermusik dieses Abends: Die Sopranistin für die «Sieben Romanzen» Schostakowitschs ist erkältet; stattdessen hören die Besucher nochmals die Suite aus «Die Geschichte vom Soldaten» von Igor Strawinski, die schon am ersten Abend erklang. Klarinette, Violine und Klavier erzählen Strawinskis fünfsätzige «Geschichte vom Soldaten» aus dem Jahr 1919: Schneidiger Marsch, raubeiniger Soldaten-Geiger-Ton mit ratternden Spicati, eigenwillige Tango-Valse-Rag-Tanzfolge und vertrackt-synkopischer Tanz des Teufels am Ende.

Sergei Prokofieffs «Ouverture über hebräische Themen» für Klarinette, Streichquartett und Klavier, rhythmisch akzentuiert und mit Klezmer-Touch des Klarinettenthemas, stammt ebenfalls von 1919. Eine «Pastorale de la Volga» für Oboe, Fagott, zwei Violen und Cello von Arthur Lourié folgt: Schön-scharfe Reibungen in ausgehaltenen Clustern, oft aufgelöst in rhythmisch-motorischer Bewegung.

Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott und Klavier betören nach der Pause das Publikum mit einem romantisierend-tonalen «Abend in Georgien», ein Tongemälde von Michail Ippolitov-Ivanov. Nikolai Roslavets Violasonate weist bei opulent-impressionistisch gefärbtem Klavierpart den eleganten Bratschentönen eher Begleitfunktion zu.

Und das Finale, ein Klavierquintett von Nikolai Kapustin (1998), bietet mit packenden Rhythmen und Gershwin-Jazz-Anklängen am Ende reichlich Stoff für Applaus im Stehen.

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