Opfenbach
«Wollen gemeinsam regieren»

Während in München ein Schlagabtausch zwischen den Koalitionären CSU und FDP stattfindet, demonstrieren im Bundestags-Wahlkampf zwei Schwaben Eintracht: Gemeinsam waren Dr. Gerd Müller (CSU) und Miriam Gruß (FDP) nach Opfenbach gekommen und stellten während ihres anderthalbstündigen Auftritts fast nur Gemeinsamkeiten fest. Schwerpunkt war die Familienpolitik.

Den Wahlkampf-Auftritt im Westallgäu hatten Müller und Gruß vor Monaten verabredet. Beide sind schon Bundestagsabgeordnete, Müller zudem Staatssekretär bei der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Gruß Generalsekretärin der bayerischen FDP. Als Neuling im Bundestag sei sie 2005 aufgrund der gemeinsamen schwäbischen Heimat auf Müller zugegangen, berichtet sie den 150 Besuchern auf der Swingolf-Anlage in Opfenbach-Mywiler. Seither bestehe ein guter Kontakt.

Mehrfach gehen beide auf die Streitereien zwischen CSU und FDP ein. «Im Landtag sitzen die Parlamentarier enger beisammen, das ist im Bundestag anders. Vielleicht sollte man Streitende, so wie Kinder, weiter auseinander setzen», regte Gruß an. Und sie fordert ein Zurück zur Sachpolitik. Hier seien die Gemeinsamkeiten offensichtlich.

Auch Müller plädiert dafür, die über Interviews ausgetragenen Streitigkeiten zu beenden: «Es gibt auch andere Formen der Auseinandersetzung. Wir sollten uns aber vor allem auf die Gemeinsamkeiten besinnen». Eine offene Diskussion über politische Standpunkte sei wertvoller. Mehrfach betont Müller, wie positiv er den Austausch mit der FDP-Kandidatin an diesem Nachmittag empfindet: «Leider findet das in dieser Form nicht noch einmal statt». «Wir wollen gemeinsam regieren. Dieses Signal soll von dieser Veranstaltung ausgehen», unterstreicht Müller.

Gemeinsam mit Miriam Gruß hat er sich für diesen Nachmittag ein Thema ausgesucht, bei dem er eine «nahezu 100prozentige Übereinstimmung» ausmacht - die Familienpolitik. «Wir brauchen mehr Abgeordnete, die selbst Kinder haben und noch mit ihnen leben». Wenn Frauen wegen der Kindererziehung zuhause bleiben, dürfe das finanziell nicht zu Nachteilen führen. «Die SPD votiert für Frau und Mann im Beruf, wir sind für echte Wahlmöglichkeit», so Müller. Gruß stimmt zu und ergänzt: «Einen staatlich verordneten Krippenzwang für Kleinkinder wird es mit der FDP nicht geben». Konkret wollen beide Familien mit Kindern helfen und sprechen sich für eine neue Wohnungsbauförderung aus. «Das war mit der SPD nicht machbar», bilanziert Müller. Und gemeinsam mit der FDP will er innerhalb der nächsten Legislaturperiode einheitliche Schulabschlüsse in Deutschland schaffen.

Den Hinweis eines Besuchers, es solle nicht gegen die «schöpferische Grundordnung» regiert werden, greift Müller auf. «Einer der Unterschiede von CSU und FDP ist die Grundlage der Politik. Als christlicher Politiker nehme ich mich selbst zurück. Die individuelle Freiheit des Menschen hat bei den Liberalen vielleicht manchmal einen zu hohen Stellenwert».

Ihren Wahlkampf-Auftritt absolvieren Müller und Gruß bis hin zum abschließenden Swingolf-Crashkurs souverän. Aber einmal kommt Miriam Gruß kurz ins Schleudern. Auf die Frage, wie sie den Milchbauern im Allgäu helfen könne, zögert sie kurz, um dann festzustellen: «Das überlasse ich in der künftigen gemeinsamen Koalition Gerd Müller».

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