Kempten
Wo still die Schätze der Stadt schlummern

Dieser Ort ist wohl das bestgehütete Geheimnis der Stadt. Kein Wunder, birgt die schlichte Halle doch so viele Kostbarkeiten und Zeugnisse aus gut 2000 Jahren Stadtgeschichte. «Genaue Zahlen gibt es nicht - aber inzwischen lagern hier zwischen 30000 bis 40000 Objekte», erzählt Ursula Winkler, Leiterin der Kemptener Museen. Weil das Depot deshalb aus allen Nähten platzt, machte sich nun der Kulturausschuss der Stadt ein Bild von der Situation.

Ein schwüler Sommerabend, irgendwo in Ursulasried: Als das unscheinbare graue Rolltor nach oben geht, erwartet man fast den Satz «Sesam öffne dich» aus dem Mund von Ursula Winkler zu hören. Doch sie bleibt stumm - um die Schatzkammer Kemptens zu öffnen, ist (anders als im Märchen) kein Codewort nötig, sondern moderne Hebetechnik.

Als der Blick frei wird, sieht man vor allem eines: Regale, Regale, Regale. Bis unter die hohe Decke und meterweit hinein ist jeder freie Platz zugebaut. Darin glitzert das Metall uralter Säbel, sieht man historische Wagen, lehnen Gemälde, Gefäße und gotische Deckenbalken in unüberschaubarer Zahl. «Wir haben hier allein 600 Hieb-, Stich- und Schusswaffen», erzählt Winkler, die gemeinsam mit der Restauratorin Monika Lingg Hüterin des gewaltigen Horts ist.

Lala-Aufsberg-Fotografien zwischen alten Glasgefäßen der einstigen Hofapotheke, vergilbte Bücher neben den Leisten eines Schusters. «Fassen Sie bloß nichts an - vor allem nicht die Sachen aus Metall», warnt die Museumsleiterin beim Rundgang durch die wohltemperierte und vor allem entfeuchtete Halle: «Die sind behandelt und jeder Schweißfleck schadet.»

Angefangen, so erzählt sie dann, hat alles im Jahr 1881 mit den Münzen des früheren Kemptener Bürgermeisters Horchler. Auf dieser Geburtsstunde der städtischen Sammlungen folgten 1885 Stücke aus den Grabungen am Lindenberg. 1888 ging es mit Gemälden weiter und 1911 mit der Gesteinssammlung des Geologen und Realschulprofessors Dr. Karl August Reiser.

Dessen Objekte befinden sich heute im Zumsteinhaus - «allein in einem Geschoss, so haben wir inzwischen zusammengerechnet, liegen 1,8 Tonnen Gestein herum», berichtet Winkler.

Auf jedem Stück im Depot wird bei der Einlieferung eine fünfstellige Nummer angebracht - «das gilt natürlich auch für jedes noch so winzige Teil unserer historischen Puppenküchen», berichtet Restauratorin Lingg. Dann öffnet sie die Schubfächer eines riesigen grauen Metallschranks. Eine Bierkrugdeckel-Sammlung kommt zum Vorschein, von gegenüber lächelt milde-verklärt die Muttergottes aus Holz. Garantiert wurm- und schädlingsfrei, versteht sich. Denn Stücke mit Befall landen bei der Aufnahme im selbst gebauten «Quarantäne-Raum» jenseits des grauen Rolltors. Sie werden dann mit Gas behandelt.

Fehlt noch was? Ja, auch wenn es der Laie kaum erkennen kann: «Aus dem 20. Jahrhundert könnten wir noch einiges an Möbeln brauchen», sagt Winkler. Doch dafür reicht momentan der Platz nicht aus.

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