Memmingen
«Wo sind jetzt die Nichtraucher?»

Auf der Bar aus Eichenholz sind die Aschenbecher verschwunden. Auch die Bistro-Tische zieren nur noch ein paar Zuckerdosen. Das Einzige, was in der Lindentorstraße Nummer fünf noch an eine Raucher-Kneipe erinnert, ist der leichte Geruch längst ausgedrückter Zigaretten. «Ich verstehe nicht, warum man für alles Gesetze braucht», sagt ein kurzhaariger Mann hinter dem Tresen. Um die Hüften hat er einen Bedienungsgeldbeutel gebunden. Es ist Philipp Eimer, Wirt des Münchner Kindl. «Wo sind jetzt die vielen Nichtraucher, die zu mir in die Kneipe kommen, seit man nicht mehr rauchen darf?», fragt er und zeigt auf die vielen leeren Tische. «95 Prozent meiner Gäste sind Raucher. Die müssen jetzt zum Qualmen alle nach draußen.»

So wie Stefan Kleinmayer. Der 23-Jährige steht mit seinem Kumpel vor der Tür und drückt eine Zigarette aus. «Die Gemütlichkeit geht schon verloren durch das ständige Raus und Rein.»

Allerdings habe er beim Volksentscheid nicht für das Rauchen gestimmt. «Ich hatte keine Zeit, zum Wählen zu gehen», sagt er. Dagegen freut sich dessen Freund Georg Stetter über das neue Gesetz: «Ich finds gut! Früher hat man drin manchmal kaum noch Luft bekommen.» Der 25-Jährige ist Gelegenheitsraucher: «Wenn ich eine qualmen will, gehe ich halt raus.» Jürgen Bühler sieht das etwas anders. Er bedient seit vier Jahren im Café Eck in der Maximilianstraße: «Schauen sie sich doch um, wie wenig hier los ist», sagt er etwas verärgert mit Blick auf die leeren Barhocker. «Das merkt man sofort, dass man hier nicht mehr rauchen darf.

Außerdem vernachlässige ich meine Gäste, wenn ich ständig zum Qualmen vor die Tür muss.» Dann schnappt er sich eine Zigarette und stellt sich zu Jürgen Deuring unter die Pergola. Der Stapelfahrer kommt fast jeden Abend auf ein Bier ins Eck: «Allerdings werde ich in Zukunft öfter zu Hause bleiben. Denn wenns kalt ist, rauche ich lieber in meinem Wohnzimmer.» Ähnlich will es Kneipenbesucher Kai Müller machen: «Ich verglase meine Terrasse und lade die Leute zu mir nach Hause ein.» Zum Feierabendbier werde man ihn in den Kneipen dann nicht mehr so oft sehen. «Es ist unverschämt, dass man so etwas wie das Rauchverbot den Menschen antut.»

Bernd Schwartner, Inhaber der Bar Bernitos und des Nachtclubs Eiskeller, befindet sich in Wartehaltung: «Jetzt schauen wir erstmal, wie sich das Ganze entwickelt», sagt er, den Oberkörper lässig auf den Tresen gelehnt: «Andere Länder rudern auch schon zurück.» Wenn es wirklich beim strikten Rauchverbot bleibt, so Schwartner, werden einige Kneipen zumachen müssen: «Gerade die Kleineren, die auf das Raucher-Klientel angewiesen sind.»

Als ob es kein Nichtraucherschutzgesetz gebe, wird in manchen Kneipen einfach weiter gequalmt. «Ich handhabe es wie bisher», sagt ein Wirt, der nicht genannt werden will. Zwischen seinen Fingern klemmt ein Glimmstängel. «Beim Rauchverbot vor zwei Jahren hatte ich 50 Prozent Umsatzrückgang.» Darauf habe er keine Lust mehr.

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