Wo sich Flocken und Prügel treffen

Maierhöfen | ver | Es sind Namen, die fremd, witzig und manchmal geheimnisvoll klingen. Worte, die einen zum Schmunzeln bringen und scheinbar nichts mit einer Wohnsiedlung zu tun haben: In unserer neuen Serie erzählen wir in loser Reihenfolge die Geschichten, die hinter kuriosen Ortsnamen stecken.

Sind wir nicht alle ein bisschen Flucken? - Für die Bewohner eines der Maierhöfener Ortsteile gilt das auf jeden Fall. Denn wer sich mit verrückten Ortsnamen beschäftigt, hat in Maierhöfen ein Problem: Es gibt zu viele davon - Auswahl gefällig? Anderhalbs, Bengel, Flucken und Warmhalden. Dafür sind Angaben über den Ursprung der Namenskreationen umso knapper - auch in einschlägigen Heimatbüchern.

Für den Namen Anderhalbs ist die Erklärung zunächst eher unspektakulär: Laut Ortsheimatpflegerin Lieselotte Häge bediente man sich des Wörtchens 'anderhalp' im Mittelhochdeutschen, wenn man jemanden klar machen wollte, dass sich eine Sache auf der anderen Seite befindet. Im Westallgäu verlieh man dem noch die regionale Note und sagte mundartlich 'anderhalbs dinne'. Der Ortsteil liegt also auf der anderen Seite der Straße - von Bengel aus gesehen. Und so taucht der Ortsname 'Anderhalbs' 1621 im Buch 'Alte Allgäuer Geschlechter' auf. Wozu der Ort aber eigentlich gehören soll, darüber war man sich anfangs nicht so ganz im Klaren, denn noch bis 1935 gehörte der Ortsteil zur Gemeinde Gestratz und erst danach zu Maierhöfen.

Genauso verhält es sich mit Bengel. Warum gerade dieser Ortsteil als Bezugspunkt ausgewählt wurde? Mit dieser Frage ist es wie mit dem Aussterben der Dinosaurier: Eine verlässliche Erklärung gibt es nicht. Vielleicht lässt sich zumindest die Herkunft des Namens klären: Also ein neuer Versuch - diesmal mit Bengel. Schon 1393 wird das Wort erwähnt - als Familienbeiname eines Geschlechts, das hier ansässig war. Wie der Umgang zwischen Mitgliedern dieser Familie aussah, ist nicht überliefert - wer aber die Bedeutung des Wortes Bengel heranzieht, dem schwant Böses: Bengel bedeutet 'der Prügel'.

Harmloser ist da 'Flucken'. Variante A: Es kommt von 'vlocke' und bezeichnet eine Flocke, eine Blüte, einen Funken oder Flaum. Variante B: Ursprung ist das Adverb fluck - 'flügge' oder 'zum Fliegen fähig'. Der Erste, der mit diesem Namen erwähnt wird, ist Conrat zum Flucken (1523).

Sonnige Lage am Südhang

Klingt nett, aber es geht noch besser. Denn ein Ortsteil von Maierhöfen setzte schon früh auf Standortvermarktung: Warmhalden - 1585 erstmals als Warmen Halden erwähnt - bezeichnet die sonnige Lage an einem Südhang. Warum sich also mit Broschüren und Internet-Auftritt abmühen, um Leute anzulocken, wenn man das mit einem Ortsnamen erledigen kann? Dass das Fleckchen Erde seinem Namen gerecht wird, bestätigt Lieselotte Häge: 'Oft, wenn man vorbeifährt, knallt da die Sonne hin - das ist eine Traumlage', sagt die Ortsheimatpflegerin.

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