Wo Geschichte gehütet wird

Lindenberg | ver | Der Fasching ist für Manfred Röhrl eine 'schreckliche Zeit: Viele alte Hüte, die ins Museum gehören, werden da aufgesetzt', erzählt er und schmunzelt, 'dann finden sie in feucht-fröhlicher Runde ihr Ende, weil sich einer draufsetzt'. - Ein Graus für den Leiter des Lindenberger Hutmuseums, an Ausstellungsstücken fehlt es ihm aber nicht. Vielmehr ist nicht genug Platz für die vielen Stücke.

Etwa 3000 Besucher kamen laut Röhrl 2007 in das Hutmuseum. Einen großen Teil davon machten die 80 Sonderführungen aus. So ließen sich Schüler-, Senioren- und Busreisegruppen die Geschichte der Hutindustrie nahebringen. Als einen Grund für die im Vergleich zum Vorjahr etwas schwächere Besucherzahl sieht Röhrl den verregneten Huttag im vergangenen Jahr. Für 2008 hofft Röhrl nun wieder auf mehr Menschen, die 'Lindenberger Geschichte schnuppern' möchten.

Jene wird im Museum in fünf Räumen mit unzähligen liebevoll dekorierten Ausstellungsstücken illustriert. Nicht nur Hüte sind zu sehen - neben Maschinen und Materialien aus der Hutfertigung finden sich Alltags- sowie Kunstgegenstände und Accessoires. Diese Fülle bringt Probleme mit sich: 'Das Museum ist zu eng.' So seien die Vitrinen überfüllt, das Museum beanspruche schon das ganze Treppenhaus und im Depot warteten 400 Hüte in Kisten. 'Seit 25 Jahren hoffen wir auf eine Erweiterung des Hutmuseums', sagt Röhrl. Er träumt davon, mit dem Museum in das Gebäude umzuziehen, wo sich ehemals die Hutfirma Reich befand.

Vier Millionen Hüte pro Jahr

Ein Museum in dem ehemaligen Industriegebäude würde laut Röhrl durch seine Dimensionen verdeutlichen, wie bedeutend die Hutindustrie für Lindenberg war. Schließlich habe es um das Jahr 1900 in Lindenberg und dem Westallgäu 34 Hutfertigungsbetriebe gegeben und zu Spitzenzeiten wurden durchschnittlich vier Millionen Strohhüte pro Jahr hergestellt. In Kriegszeiten gab es große Probleme für die Hutfertigung - aus Lindenberg kamen nun andere Kopfbedeckungen: So wurde hier der Tropenhelm für das Afrika-Korps von General Erwin Rommel gefertigt. In Friedenszeiten lieferte Lindenberg Hüte für die Olympischen Spiele. Ein Exemplar aus beiden Zeiten findet sich im Museum.

Manfred Röhrl sammelt weiter: Auf Antik- und Flohmärkten gilt sein Interesse vor allem alten Gipsköpfen für die Präsentation der Hüte. Die meist weiblichen Gipsfiguren waren einst in Hutgeschäften, in Friseurläden und Schaufenstern im Einsatz. Leicht zu bekommen sind sie nicht - und oft nur für 'teures Geld'. Er sei 'dahinter her wie der Teufel hinter den armen Seelen', sagt Röhrl und lacht. Bei den Händlern hat sich das herumgesprochen - 'manchmal steigen die Preise, wenn die mich sehen.'

Öffnungszeiten des Lindenberger Hutmuseums (gültig ab Februar): Mittwoch von 15 bis 17.30 Uhr, Sonntag von 10 bis 12 Uhr.

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