Wo einst Tuchfärber ihr Tagwerk verrichteten

Von Stefanie Heckel
| Kempten Der Frost der vergangenen Jahrhunderte hat ihr arg zugesetzt, Mörtel ist herausgebrochen, Steine sind geborsten und vor fast 20 Jahren fügte ihr auch noch ein Sturm großen Schaden zu: Ein Sanierungsfall ist die alte Stadtmauer an der Hasengasse. Seitdem in direkter Nachbarschaft ein neues Geschäftshaus errichtet wird, ist das Denkmal aus dem 14. Jahrhundert wieder ins Bewusstsein der Bürger gerückt (wir berichteten). Mittlerweile hat der Mauerrest seinen Besitzer gewechselt: Die Stadt kaufte einem Privatmann das Denkmal ab und will es 2009 sanieren.

Für die Sanierung, so berichtet Kulturamtsleiter Dr. Gerhard Weber, ist es inzwischen auch höchste Zeit. Unternehme man jetzt nichts, könne man das Denkmal bald ganz aufgeben. Ein grüner Kunststoff-Überzug schützt seit einigen Jahren den hölzernen Aufbau auf der Mauerkrone. Der war übrigens mitnichten militärischer Natur, erzählt Weber - auch wenn viele das Gebilde für einen mittelalterlichen Wehrgang halten.

Stoff zum Trocknen aufgehängt

Denn die Mauer besteht aus verschiedenen Teilen und war mehrfach umgebaut worden. Der älteste Teil - dabei handelt es sich um den unteren Steinbau - stammt wohl aus dem 14. Jahrhundert. Erst deutlich später bekam die Mauer den Aufbau aufgesetzt. Wo heute grüne Kunststofffolie im Kemptener Herbstwind flattert, wurden einst Tücher an der frischen Luft getrocknet.

Ganz in der Nähe nämlich gab es vermutlich Tuchfärber, die an der einstigen Stadtmauer ihrem Gewerbe nachgingen. In einigen Metern Höhe wurde der gefärbte Stoff dann zum Trocknen aufgehängt.

In der heutigen Einkaufsstadt Kempten war das Textilgewerbe seinerzeit von großer Bedeutung: «Das war ein hoch angesehener und wichtiger Wirtschaftszweig», erläutert Weber. Auf diese Tradition und die gesamte Geschichte des Denkmals soll nach der Sanierung auch deutlich hingewiesen werden.

Zuschüsse erwartet

Die Arbeiten waren eigentlich schon für dieses Jahr geplant gewesen. Dann allerdings mussten noch verschiedene Untersuchungen, unter anderem zur Statik, durchgeführt werden. Dadurch verschob sich das Projekt so weit nach hinten, dass «wir dann irgendwann im Oktober mit der Sanierung begonnen hätten», erklärt Weber. Das aber sei wegen drohenden Frosts eindeutig zu spät.

So bleiben die bereits fertiggestellten Entwürfe noch bis 2009 in der Schublade, bis endgültig begonnen werden kann. Indessen hofft Weber noch auf möglichst hohe Zuschüsse des Landesamts für Denkmalpflege, vom Bezirk Schwaben und der Bayerischen Landesstiftung. Förderzusagen gebe es bereits, genaue Summen stehen aber noch nicht fest. Insgesamt soll die Sanierung rund 120000 Euro kosten.

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