Wo einst die Wertach floss

Von Markus Röck | Pfronten Für die Arbeiter, die mit dem Bau der Umgehungsstraße für Nesselwang-Wank beschäftigt waren, waren die Stämme wohl einfach Hindernisse. Für Hans Geyer, Schreinermeister und Innenausstatter im Ruhestand aus Pfronten-Kappel, ein Rätsel, das ihn nicht mehr los ließ: Wie kommen die Reste eines Bergwalds in den lehmigen Untergrund, der dort 12 bis 15 Meter hoch den Fels bedeckt? Knapp drei Jahre später hat er ein völlig neues Bild davon gewonnen, welchen Weg einst Wertach und Lech nahmen und wie die Landschaft ihre heutige Form erhielt. In einer vierbändigen Publikationsreihe sowie in Vorträgen geht Geyer mit diesem Wissen nun an die Öffentlichkeit. 'Ich habe gewusst, zu den früheren Flussläufen ist noch nichts da', erzählt Geyer. Der Drang, diesen 'weißen Fleck auf der Landkarte' zu tilgen, hielt ihn auf Trab.

Lehm überdeckt alte Schlucht, die Fluss und Gletscher gruben

Was sich unter der Lehmschicht bei Wank verbirgt, so ist Geyer heute überzeugt, ist eine frühere Schlucht der Wertach. In der Eiszeit nutzte diese zudem ein Gletscher als Laufbahn. Eine oder mehrere Muren rutschten später vom Wanker Berg in diese Schlucht - die Bäume im Gepäck. Rund 5200 Jahre, so ermittelte ein Fachinstitut in Heidelberg, lagen die Stämme im Lehm konserviert, ehe sie beim Straßenbau wieder zu Tage kamen. Die nächste Überraschung brachte die Auszählung der Jahresringe einer Fichte: der älteste der geborgenen Bäumen hat rund 600. Damit handle es sich wohl um einen der ältesten der bisher bekannten Bäume dieser Holzart, zitiert Geyer Forstexperten.

Einen Hinweis auf das alte Flusstal fand Geyer in einem Buch des Geologen Reiser aus dem Jahre 1923. Seitdem hatte sich anscheinend niemand mehr so richtig für frühere Flussläufe interessiert. Bohraufschlüsse anlässlich des Straßen- und Brückenbaus sowie ein Gespräch mit den beteiligten Geologen führten Geyer zu weiteren Erkenntnissen. Zwischen Nesselwang und Pfronten machte er ein Flusstal mit einer bis zu 20 Meter tiefen Schlucht aus. Hier floss einst die Wertach, ist er überzeugt.

Geyer weitete seine Nachforschungen immer weiter aus und tauschte sich mit Wissenschaftlern der Technischen Universität München aus. Höhenmessungen und Geländeprofile der gesamten Region zwischen oberem Wertach- und Lechtal zeigten manches auf, was man zuvor nur vermutet hatte.

Ergebnisse füllen vier Bände, die dieses Jahr erscheinen sollen

Regional aufgeteilt präsentiert Geyer seine Ergebnisse in vier Bänden, die im Laufe des Jahres erscheinen und dann bei der Buchhandlung Ortner an der Vilsbrücke in Pfronten-Ried erhältlich sein sollen. Ende Februar erscheint zunächst Band IV, der das Enzenstettener-Seeger Becken beschreibt, zu dem beim Autobahnbau viele Hinweise zu Tage kamen. 'Vilser Becken - Füssener Bucht' ist Band überschrieben, der im März oder April erscheint und sich mit den Verläufen von Lech und Wertach befasst.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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