Wo die stummen Zeugen des Verbrechens schlummern

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Von Sabine Beck | Kempten 'und Sie sind mit der formlosen Einziehung des Gegenstands XY einverstanden?' - Es gibt kaum eine Gerichtsverhandlung, in der der Richter nicht danach fragt. Nämlich, ob der Angeklagte oder ein anderer Besitzer eines Beweisstücks damit leben kann, dass eben jenes Beweisstück am Gericht verbleibt. Doch was heißt das eigentlich? Was passiert mit Beweisstücken, wenn ein Fall abgeschlossen ist? Was kommt rein in die Asservatenkammer - und vor allem: Kommt es jemals wieder heraus? Staatsanwalt Dr. Christoph Ebert gewährte der AZ einen Blick in seine Beweismittel-Kammer und kennt über so manches Stück so manch kuriose Geschichte.

Nein, schön anzusehen ist, was in der Asservatenkammer landet, vieles nicht. 'Wir bekommen von der Polizei alles in dem Zustand, in dem es am Tatort gefunden wurde', sagt Ebert. Das kann mal ein blutverschmiertes Messer sein, mal ein gebrauchtes Kondom, oder eben auch nur ein äußerlich unscheinbarer Rechner, ein Feuerzeug oder - wie derzeit - viele Flaschen gestohlenen Parfüms. Und wenn das meiste die Asservatenkammer wieder verlässt, so schlummert das ein oder andere Stück gegebenenfalls Jahre darin. 'Wir haben ein blutverschmiertes Hemd von einem Mord, der nie aufgeklärt wurde', weiß der Staatsanwalt: 'Mord verjährt nie.' Ab und an wird der Fall an die Polizei übergeben, die dann neue Ermittlungen anstellt. Wird der Mord nicht aufgeklärt, bleiben die Beweisstücke so lange verwahrt, bis sicher ist, dass der Täter nicht mehr lebt.

Und was passiert mit den anderen Stücken? Mit den gestohlenen Parfüms, blutigen Messern, manchmal auch Drogen oder Diebesgut? 'Wenn es möglich ist, wird alles an seine Besitzer zurückgegeben', erklärt Ebert. Dabei gibt es eine Ausnahme: Ein Täter bekommt sein Tatwerkzeug niemals zurück. Ist ein Fall abgeschlossen, wandern selbige in den Hochofen.

Alles geht an die Besitzer zurück. Das sind nicht nur Privatleute, sondern manchmal auch Behörden: 'Straßenmeistereien etwa', sagt Ebert. Denn Straßenschilder seien vor allem bei Jugendlichen ein beliebtes Diebesgut. Und einen Elefanten-Elfenbeinzahn beispielsweise schickte der Staatsanwalt jüngst an ein Museum.

'Was nicht zurückgegeben werden kann, wird vom Gerichtsvollzieher versteigert', sagt Ebert. Was freilich nicht für Zigaretten, Drogen oder gar Waffen gilt. Die Parfüms aber, die laut Ebert bei Beutezügen in ganz Deutschland aus Drogeriemärkten gestohlen wurden, landen unterm Hammer.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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