Weicht
Wo die Installation in den Stall passt

Ungewöhnliche Ausstellungs- und Aufführungsorte für Kunst sind inzwischen Gäng und Gäbe. Doch das «Hofhaus», ehemaliger Bauernhof und seit sieben Jahren Veranstaltungsort der Kulturtage Weicht, hat nach wie vor seinen eigenen Reiz. Diesen wissen die Künstler, die dort ausstellen, immer mehr zu nutzen und aufzunehmen. So gibt es heuer in dem Dorf zwischen Kaufbeuren und Buchloe gleich mehrere direkte Symbiosen zwischen Malerei und Futtersilo, zwischen Stall und Installation zu sehen.

Treue Begleiterin der Weichter Kulturtage ist Jusha Mueller. Sie hat heuer eigens sieben Gemälde geschaffen, die in Farbe, Ausdruck und den Mueller eigenen Strichmustern das Erscheinungsbild des Betonsilos, in dem sie ausgestellt werden, aufnehmen.

Im ehemaligen Futterbehälter nebenan wird eine Videoarbeit der Münchnerin Emilia Scharf an die raue Wand projiziert. Ein Mensch marschiert auf einem Elefantenrücken und kommt nicht voran. Lediglich die Landschaft um ihn herum rauscht schnell vorbei. Diese Metapher für die ewigen Wiederholungen und den doch oft empfunden Stillstand im Leben ist wie geschaffen für die runde, endlose Form des Silos.

Während der Betrachter das Werk durch eine Öffnung in der Betonwand verfolgt und somit gleichsam über den Dingen steht, fühlt er sich in einem kleinen, stockdunklen Raum der ehemaligen Stallungen von der Kunst fast bedroht.

Christian Kuntner hat in die Kammer einen riesigen metallischen Würfel gesetzt, aus dessen aufgerissenen Kanten rotes Licht schimmert. Der Betrachter hat neben dem Objekt kaum Platz und wird zudem von diffusen Klangcollagen des Schweizers beunruhigt, zumindest aber verwirrt.

Chaos und Zerstörung

Mit Tönen, Lauten und Worten - allerdings in bedeutend heiterer Form - spielen Bettina Krugsperger und Roland Mylog. Sie haben insgesamt sechs altertümliche Tonbandgeräte im Abstand von mehreren Metern im ehemaligen Stall platziert und mittels weit gespannter Tonbänder miteinander verbunden. Die Besucher sind eingeladen, in die angeschlossenen Mikrofone zu sprechen. Die aufgenommenen Laute laufen auf dem Band einmal quer durch den Ausstellungsraum und werden in diesem zeitlichen Abstand immer wieder abgespielt. Mit der Zeit entsteht so eine spontane Klanginstallation, die die «Hofhaus»-Galerie räumlich und akustisch ausfüllt. Völlig konträr zur vermeintlichen ländlichen Idylle in den Bildern von Barbara Wagner sind die Werke von Renate Martin. Sie zeigen mal expressiv, mal fotorealistisch, aber stets in depressiven Grautönen Chaos und Zerstörung.

Ein guter und notwendiger Kontrapunkt zur ansonsten bei angenehm heiteren Grundstimmung der Kulturtage.

Die Kulturtage Weicht dauern noch bis Sonntag, 9. August.

www.kulturtage-weicht.de

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