Immenstadt
Wo die Achtsamkeit auf der Hand erscheint

«Jeder spürt das Wort dort auf der Haut, wo es hingedruckt wurde. Es geht tief in die Seele und verstärkt sich», berichtet die Künstlerin Waltraud Funk über ihr neues Projekt. Mit kleinen Stempeln druckt sie dabei Menschen Worte auf ihre Körper. Beginn einer Aktion, an deren Ende eine «Haut aus Worten» entstehen soll.

Die Immenstädterin sitzt in ihrem Garten, vor ihr auf dem Tisch liegen kleine Stempel mit Buchstaben, ein Fässchen mit schwarzer Tinte steht daneben. Das Projekt, das die Bildhauerin anlässlich der 650-Jahr-Feier von Immenstadt entwickelt hat, wird klarer, betrachtet man all die Fotos, die sie über den Tisch verteilt hat. Zu sehen sind darauf Hände, Lippen, Bäuche von alten und von jungen Menschen - Menschen in all ihrer Stärke oder Zerbrechlichkeit. Gemeinsam haben die Fotos eines: Sie zeigen alle Worte, die auf die Haut gedruckt wurden.

«Welches Wort charakterisiert eine Person, oder nach was sehnt der jeweilige Mensch sich?» Das ist die zentrale Frage, die Waltraud Funk den Teilnehmern stellt. Diese findet die Künstlerin, indem sie Menschen auf der Straße oder aus dem Bekanntenkreis anspricht.

Die zweite Frage lautet: «Wo am Körper spürt man dieses Wort?»

Was dabei herauskommt, wenn sie dann die Worte auf jene Körperstellen stempelt, ist zugleich kraftvoll wie meditativ. Auf einem Foto sieht man eine vom Leben gezeichnete Hand mit dem Wort «Achtsamkeit», dann auf einem anderen die Hand eines kleinen Buben, auf dem ein Name steht - der seines Bruders, das einzige Wort, welches das Kind bisher sagen kann.

Auch wenn das Stempeln ein Vorgang an der Oberfläche ist, gehen die Worte im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut, wie die Immenstädterin aus Gesprächen erfahren hat: «Die Menschen fühlen die Worte, viele lassen sie nach dem Drucken auch noch dort. Durch dieses eine Wort erfährt man viel über einen Menschen.

» Sehr persönliche Geschichten sind Waltraud Funk im Gedächtnis geblieben, und es waren nicht nur positive. Häufig höre sie, dass das Wort eine Sehnsucht, ein Ziel sei, das die Menschen zu erreichen suchen.

Nach dem Aufstempeln fotografiert die Künstlerin die Worte. Aus diesen Bildern erstellt sie anschließend eine große Collage und lässt sie auf Stoff drucken, eine große «Haut aus Worten». «Ich möchte damit eine Seele, Herz in den kühlen Hof des Literaturhauses bringen», umschreibt Waltraud Funk ihre Intention. Neben weiteren Teilnehmern sucht sie auch noch finanzielle Unterstützer für ihr Projekt.

Auf 25 Quadratmetern sollen dann die über hundert Worte an einer Wand sichtbar werden und beredtes Zeugnis abgeben über die Menschen hinter den Worten und über eine nachdenkliche Künstlerin.

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