Buchloe / Kaufbeuren
Wo der Schlenker tödlich endet

13 Meter misst die B12 in ihrem «zweistreifig überbreiten» Abschnitt zwischen Germaringen und Ketterschwang in der Breite. Eigentlich ganz schön viel, sollte man meinen. Wenn dann aber auf zwei Fahrstreifen jeweils zwei Fahrzeuge nebeneinander fahren, wie es gerade in den hochfrequentierten Abendstunden die Regel ist, trennen die zwei Verkehrsteilnehmer in der Mitte der Fahrbahn oftmals nicht mehr als ein Meter und zwei schmale weiße Linien. Ganz schön wenig - vor allem, wenn man bedenkt, dass sich die meisten Verkehrsteilnehmer an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 Stundenkilometern ohnehin nicht halten. Das meint auch Josef Maurus, Straßentechniker bei ADAC Südbayern. «Schlechte Witterung oder Sicht, eine kleine Unkonzentriertheit oder der Griff zur neuen CD oder Zigarette - und schon ist der Schlenker da.»

Vier Tote im Oktober

Welch fatale Folgen so ein Schlenker bei Tempo 100 aufwärts haben kann, zeigten die drei Unfälle auf der B12 im Oktober. In allen drei Fällen steuerte ein Verkehrsteilnehmer aus jeweils unbekannten Gründen in den Gegenverkehr. Die traurige Bilanz: vier Tote und mehrere Schwerverletzte. Von vielen Seiten wurde der Ruf nach einem vierspurigen Ausbau der Strecke daher zuletzt wieder lauter.

Das nachhaltigste Argument der Kritiker: Zweistreifig überbreite Strecken werden heute nicht mehr gebaut. Die Bestehenden gelten aber auch nicht als verkehrswidrig, wie Josef Merk, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Straßenbau beim Staatlichen Bauamt in Kempten erklärt. «Wie sicher diese Strecken sind, darüber streiten sich die Gemüter.

» Tatsache ist jedoch, dass die Unfälle, die sich zuletzt auf der B12 ereigneten, auf einer vierspurigen Ausbaustrecke (Autobahnquerschnitt) so wohl nicht passiert wären. Für diesen Straßentyp ist nämlich eine Mittelleitplanke verbindlich, die, nach dem heutigen Standard gebaut, ein Auto, im Notfall sogar einen Lkw am Durchbrechen hindern soll.

Als «dringend notwendig» bezeichnet daher auch Maurus einen vierspurigen Ausbau der B12, stellt aber eindeutig klar: «Das allgemeine Unfallrisiko auf dem überbreiten Teilabschnitt ist im Gegensatz zu anderen, kurvenreichen Bundesstraßen eher gering.» Ausschlaggebend für seine Forderung sei vielmehr die Schwere der Unfälle: «Wenn nämlich etwas passiert, hat es meist gravierende Folgen.»

15000 Fahrzeuge pro Tag

Ähnlich sieht es auch Otto Hahn, Leiter der Polizeiinspektion Buchloe, in deren Zuständigkeit das Teilstück größtenteils fällt: «Statistisch gesehen liegt kein Unfallschwerpunkt vor.» 15000 Fahrzeuge sind pro Tag durchschnittlich zwischen der A96 und Kaufbeuren auf der B12 unterwegs, der letzte Unfalltote vor Oktober liege schon knapp zweieinhalb Jahre zurück. «Die Häufung zuletzt war eine Ausnahme und stand in keiner Verbindung mit dem Straßencharakter», ist sich Hahn daher sicher.

Zwar ist ein vierspuriger Ausbau der B12 weiterhin erklärtes Ziel der regionalen und lokalen Politik, ob und wann dieser jedoch erfolgt, ist derzeit weiter ungewiss. Denn: Erst bei der nächsten Fortschreibung des Bundesfernstraßenprogramms kann das Projekt im Bedarfsplan angemeldet werden.

Im Bezug auf die Verkehrssicherheit näher scheint derzeit eher eine andere Lösung: Eine Ummarkierung des zweistreifig überbreiten Teilstücks auf eine dreispurige Strecke. «Die Forschungsergebnisse zeigen, dass auf diesen Strecken günstigere Unfallraten zu verzeichnen sind. Das Innenministerium hat daher als Ziel vorgegeben, dass, wenn ein vierspuriger Ausbau nicht geleistet werden kann, eine Dreistreifigkeit angestrebt werden soll», sagt Merk.

Ob es eine Ummarkierung der Strecke zwischen Ketterschwang und Germaringen geben wird, darüber will das Bauamt jedoch erst nach dem dreistreifigen Ausbau der letzten noch zweispurigen Teilstrecke südlich von Jengen, mit dem im Jahr 2010 begonnen werden soll, entscheiden.

Eine nachhaltige Verbesserung der Verkehrssicherheit mit dieser Maßnahme, bezweifelt Hahn jedoch: «Auch bei einer dreispurigen Ausbaustrecke oder einer zweispurigen Landstraße kann man in den Begegnungsverkehr geraten. Unachtsamkeiten passieren im Straßenverkehr überall und jeden Tag.» Am sinnvollsten wäre in dieser Beziehung ein vierspuriger Ausbau.

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