Immenstadt
Wo der Rauschgold-Engel zur Flamenco-Tänzerin mutiert

Am Ende hat es dann doch noch geklappt: Zum Finale zeigte der «Immenstädter Sommer», dass er auch anders kann, und erlaubte tatsächlich ein Freiluft-Konzert im Klostergarten. «Quadro Nuevo» verbreitete südländisches Flair. Und Macher Albert Seitz war gleich wieder motiviert, es im nächsten Jahr erneut zu probieren und eines der letzten Abenteuer unserer Zeit zu wagen: Ein Open Air im Allgäu.

Mit Harfe statt mit Gitarre kam das Quartett. Gitarrist Robert Wolf leidet immer noch an den Folgen eines Verkehrsunfalls, in den er im vergangenen Herbst unverschuldet hineingeraten war. Statt seiner ist nun Evelyn Huber für die Saiten zuständig. Und beweist, wie kreativ man mit einer Harfe umgehen kann. Bei der musikalischen Reise von Tango und Samba über Zigeunerjazz bis zu Musettewalzern und eigenen Melodien packt sie immer neue Überraschungen aus, begleitet und improvisiert gleichermaßen virtuos. Da mutiert die Harfe vom zahmen Rauschgoldengel zur funkensprühenden Flamenco-Tänzerin.

Und auch die Herren waren das Gegenteil einer Kurkapelle in einem gepflegten Thermalbad. Obwohl das Repertoire einschließlich alter Schlager ja eigentlich aus diesem Genre kommt. Aber bei «Quadro Nuevo» treffen sich geniale Improvisateure, da klingt jedes Stück immer wieder neu. Da werden Grenzen überschritten und Horizonte geweitet. Mulo Francel spielt bei einer persischen Melodie die Klarinette wehmütig wie eine Ney-Flöte. Die Bassklarinette kann er wie ein Didgeridoo heulen und grunzen lassen. Und auch die Saxofone intoniert er ganz verschieden, immer zur jeweiligen Atmosphäre passend. Und das Streichpsalter streicht er barfuß, den Bogen zwischen die Zehen geklemmt.

D. D. Lowka wechselt zwischen Kontrabass und Percussion und ist hier wie dort die Säule der Truppe. An die sich Andreas Hinterseher mit dem Akkordeon anschmiegt. Zwischendurch kam auch der kleine Bruder des Akkordeons zum Einsatz - statt mit dem Balg mit einem Rohr angeblasen und zarter im Klang.

Melancholie, Zärtlichkeit, Temperament und Leidenschaft: Gefühle, nach denen wir uns alle sehnen, fließen bei «Quadro Nuevo» in Musik. In ihren Eigenkompositionen findet die Gruppe eine ganz originäre Sprache, da gehören sogar wilde Free-Jazz-Orgien zum Mix.

Zu jedem Stück gibt es eine schlüssige Geschichte, egal ob man mit Goethe nach Italien reist, mit «Quadro Nuevo» auf Kreuzfahrt im Schwarzen Meer ist oder die griechische Mythologie Pate steht.

Reise ist auch das große Thema dieser Grenzüberschreiter und Musik-Nomaden. Da haben sich vier ausgewachsene Musikanten ihre kindliche Neugier bewahrt und entdecken hinter jeder Melodie 1001 Möglichkeiten. Und als entschleunigender Moderator mit schrägem, irritierendem Humor auf den Spuren Karl Valentins steckt Mulo Francel die zappeligen Kollegen von der Comedian-Zunft locker in die Tasche.

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