Kempten
Witzig-spritzig arrangiert

Eine Turbinenhalle als Konzertsaal? Kein Problem. Die 150 Zuhörer können sich sogar fühlen, als säßen sie mitten in der riesigen Bühnenkulisse eines Musicals der 1930er Jahre. Wo vier junge Frauen aufs Podium hüpfen, jede mit einem Streichinstrument in der Hand: zwei Geigen, eine Bratsche, ein Cello. Sie nennen sich «My 4 Ladies». Im Rahmen des Oberstdorfer Musiksommers geben sie in diesem ungewöhnlichen Kemptener Ambiente ein Meisterkonzert mit Arrangements aus «Musicals of the world».

Die Akustik ist hallträchtig, fast kirchenartig. Vier Mikrofone und eine respektable Lautsprecher-Galerie übertönen das Grundrauschen des Illerkraftwerks weitgehend erfolgreich. «My Fair Lady», Frederick Loewes Ohrwurm-Feuerwerk und Namensgeber-Musical des Quartetts, eröffnet den Reigen: «Ich hätt getanzt heut nacht», «Es grünt so grün», «Wär det nich wunderscheen?» Mit dem Schlusston von «Hei, heute morgen mach ich Hochzeit!» springen alle vier auf.

Witzig-spritzig sind die Songs für Streichquartett arrangiert. Pizzicati, wechselnde Melodieführung, swingtypische Sextakkorde und bewegtes Spiel halten die Zuhörer bei Laune. «Kennen Sie den Mann mit der Maske?», fragt Ingrid Herpich, die erste Geige, ins Publikum. Natürlich weiß man, wie das «Phantom der Oper» das Theater in Schrecken versetzt.

Und wenn da der tonnenschwere Kronleuchter zittert, hat Christiane Alber am Tieftöner Cello mächtig zu tremolieren - sie ist für die hochschwangere Eva-Susanne Ruoff eingesprungen.

Die Moskauerin Nataliya Demina an der zweiten Violine sagt Gershwins «Porgy and Bess» aus dem Jahr 1935 an. «Summertime» daraus ist besonders stimmungsvoll arrangiert. Leicht schwäbisch gefärbt ist die Sprache der Märchenerzählerin (Uta Sedlock aus Esslingen, Viola), die mit einer Rose in der Hand auf «Die Schöne und das Biest» einstimmt.

Frauen im Frack

Für Liza Minnellis Welterfolg «Cabaret» haben sich die vier Saitenvirtuosinnen in Frack und Zylinder geworfen, mit Riemchen-Stöckelschuhen und weißem Krägelchen überm Décolleté. «Cats» von Andrew Lloyd Webber («Memory» - schööön!) und Leonard Bernsteins «West Side Story» («Tonight», «America») dürfen nicht fehlen und werden mit Bravorufen bejubelt.

Mit zwei Mary-Poppins-Zugaben im Ohr wandern die Besucher beschwingt heimwärts.

Das nächste Konzert im Rahmen des Oberstdorfer Musiksommers findet am Sonntag, 9. August, statt. Die Matinee im Fürstensaal der Residenz steht unter dem Motto «das klassisch-romantische Sonntagskonzert». Dozenten des Musiksommers, darunter der künstlerische Leiter Peter Buck (Cello), spielen Haydns Trio für Violine, Violoncello und Klavier in G-Dur sowie Mendelssohn Bartholdys Quartett für Violine, Viola, Violoncello und Klavier f-Moll op.

2 und sein Oktett für vier Violinen, zwei Violen und zwei Violoncelli in Es-Dur. op. 20 Beginn: 11 Uhr. Karten im Vorverkauf im AZ-Service-Center oder unter Telefon 01805/132 132.

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