Bildung
Wirtschaftsschule Memmingen setzt auf Offensive

«Totgesagte leben länger.» Dieses Sprichwort trifft in gewisser Weise auf die Staatliche Wirtschaftsschule in Memmingen zu. Denn bei der Einführung der sechsstufigen Realschule (R6) vor gut zehn Jahren haben nicht wenige prognostiziert, dass der Wirtschaftsschule bald die Schüler ausgehen werden. Denn es wurde damit gerechnet, dass mehr Kinder gleich nach der vierten Klasse auf eine weiterführende Schule gehen werden, und die Wirtschaftsschule, die erst ab der siebten Klasse besucht werden kann, dann das Nachsehen hat.

Allerdings zeigt die Statistik ein etwas anderes Bild. So sind die Schülerzahlen nach Einführung der R6 sogar nach oben gegangen. Seit 2008 allerdings werden es stetig weniger Jugendliche, die sich für die Memminger Wirtschaftsschule entscheiden (siehe Grafik). «Die Zahl der Schüler an den Hauptschulen wird eben immer geringer und damit auch unser Potenzial, aus dem wir schöpfen können», sagt Schulleiter Bernhard Stark. Gleichzeitig weist er aber darauf hin, «dass sich in diesem Schuljahr die Anmeldezahlen aus den Hauptschulen wieder erhöht haben, von 52 auf 68». Wie viele Schüler von den Gymnasien und Realschulen auf die Wirtschaftsschule wechseln werden, sei dagegen noch nicht bekannt.

Letztlich seien die rückläufigen Zahlen in den vergangenen Jahren aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Schließlich sei man auch bei der R6-Einführung sogleich in die Offensive gegangen - und dies werde man weiterhin tun. Dabei gehe es in erster Linie darum, den Eltern bei Info-Veranstaltungen die Wirtschaftsschule und deren Vorzüge näher zu bringen, wie Stark und Beratungslehrer Ludwig Mendler gegenüber der MZ erklären. «Denn wir haben viel zu bieten», sagt Stark: «Wir sind modern, praxisorientiert und kompetent.»

Für einen Übertritt an die Wirtschaftsschule spricht laut Stark und Mendler zum Beispiel, dass die Durchlässigkeit zur Fachoberschule (FOS) durch die Vermittlung einer guten allgemeinen und praxisorientierten Bildung «optimal gegeben ist». Wobei gerade die Praxisorientierung mit Projektarbeiten und einer Übungsfirma, in der die Arbeitsweise echter Unternehmen simuliert werde, eine Stärke der Wirtschaftsschule sei.

«Wir sind ein ideales Sprungbrett in den Beruf», sagt Mendler, und zwar nicht nur in kaufmännische, sondern auch in technische Berufe wie Mechatroniker oder Industriemechaniker.

Da die Wirtschaftsschule erst mit der siebten Jahrgangsstufe beginnt, sei sie auch eine Chance für so genannte Spätzünder, die erst mit zunehmendem Alter ihre Stärken in der Schule zeigen können.

Viele Wege offen

Gefragt, was er sich für die Zukunft vom Kultusministerium wünschen würde, sagt Stark nach kurzem Überlegen: «Keine so häufige Reformitis, sondern mehr Klarheit in der Bildungspolitik.» Zudem müsste den Eltern stärker vermittelt werden, dass ihren Kindern neben dem Gymnasium noch weitere erfolgsversprechende Wege offen stehen - und einer davon sei eben die Wirtschaftsschule.

Dass dies offenbar nicht der Schlechteste sei, zeige der Umstand, dass viele Eltern, die selbst auf der Memminger Wirtschaftsschule waren, ihren Kindern zum gleichen Weg raten.

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