Immenstadt
Wirt Welz stellt Kaution und bietet ideales Anwesen

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Die Errichtung einer staatlichen Postniederlassung in Immenstadt ist vor dem Hintergrund bayerischer Reformpolitik zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu sehen. Der bayerische König Max I. Joseph und sein leitender Minister Montgelas strebten zum einen die Beseitigung von Missständen und die Modernisierung veralteter Strukturen, zum anderen die Zentralisierung wichtiger Verwaltungsaufgaben an.

1808 gelang es, das Haus Thurn und Taxis zum Verzicht auf die Ausübung des Postregals in Bayern zu bewegen und das Königreich durch den Aufbau einer Staatspost selbst für den Briefverkehr effektiver als bisher zu erschließen. Da Immenstadt abseits der Hauptpostrouten der Region lag, erhielt es allerdings erst relativ spät, am 20. Januar 1810, eine Postexpedition, also eine Postanstalt, die nicht mit festangestelltem Personal, sondern durch einen Privatmann auf Vertragsbasis betrieben wurde.

Erster königlicher Postexpeditor Immenstadts wurde der Wirt Jakob Welz, der zum einen vermögend genug war, die für seine offizielle Ernennung am 21.

Mai 1810 geforderte Kaution in Höhe von 500 Gulden zu hinterlegen, der zum anderen aber mit seinem Anwesen für die bayerische Staatspost auch eine ideale Infrastruktur bot. So lag sein Gasthaus «Zum Goldenen Kreuz», das später in Gasthof «Post» umbenannt wurde, verkehrsgünstig an einer der Ausfallstraßen der Stadt, die zwischen 1921 und 1933 in Anlehnung an die frühere Bedeutung auch Poststraße hieß.

Im Erdgeschoss waren die eigentliche Postexpedition sowie unverzichtbare Stallungen und eine Wagenremise untergebracht. Der Gasthausbetrieb lief im Obergeschoss, wo auch Übernachtungsmöglichkeiten bestanden. Heute befinden sich in dem umgebauten Gebäudekomplex Bahnhofstraße 13/15 zwei Bekleidungsgeschäfte sowie ein Tabakladen.

Für das obere Allgäu bedeutete die Errichtung einer Postexpedition in Immenstadt eine wesentliche Verbesserung des Nachrichtenwesens, war damit doch der Aufbau von zahlreichen Postverbindungen mit Lindau, Kempten und Augsburg verbunden. Befördert wurde die Post zum Teil durch reitende Boten, zum Teil auch mit einem leichten, zweirädrigen Postwagen. Für seine Dienste erhielt der Postexpeditor die Hälfte des Portoanteils bei der reitenden und ein Zehntel bei der fahrenden Post.

1826 übergab Jakob Welz die Postexpedition sowie den Poststall an seinen Sohn Johann Nepomuk, der die Dienststelle bis zu seinem Tod am 6. Februar 1856 führte.

Unter Leitung von Franz Xaver Wiedemann wurde die Postexpedition am 1. Juli 1856 schließlich mit der Immenstädter Bahnexpedition vereinigt. Zugleich verlegte man die Posträume in das Bahnhofsgebäude.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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