Transplantation
«Wir sind Glückspilze, wir haben ein neues Herz»

34 Jahre jung war Thomas Finkel, als er Atemprobleme bekam. Das Herz des Hindelangers war innerhalb eines Jahres aufs doppelte Volumen angewachsen. «Die Ursache war wohl ein Virus,» sagt der heute 54-Jährige. Ohne Herztransplantation wäre der junge Familienvater damals gestorben. Im gleichen Jahr, 1990, erholte sich Alfons Stockinger (81) nicht von einer Influenza. Auch für den Altusrieder war vor 20 Jahren ein Spenderherz die Lebensrettung. «Eine große Dankbarkeit den Organspendern gegenüber» fühlen die beiden heute. Sie treffen sich regelmäßig in einem Freundeskreis Gleichgesinnter, den Franz Gorus (71) aus Krugzell ins Leben gerufen hat. Er selbst lebt seit 10 Jahren mit dem Herzen eines Verstorbenen. Auch er sagt: «Ich bin dankbar, dass es Menschen gibt, die anderen ihr Herz schenken.»

Franz Gorus zückt seinen Spenderausweis. Natürlich will er im Falle seines Todes auch seine Organe an Menschen weitergeben, die Herz, Lunge oder Niere brauchen, um wieder ein erfreuliches, angenehmes Leben führen zu können. Menschen, die auf ein Spenderorgan warten, müssen oftmals lange Zeit große Not leiden.

Weil der ehemalige Feuerwehrler Finkel plötzlich schlecht Luft bekamt, wurde er ins Klinikum nach Ulm überwiesen. Dort, zwischen Tür und Angel, die schockierende Nachricht, er werde wegen eines Defekts an seinem Herzen nur noch ein Jahr leben. Das Todesurteil nahm der Oberallgäuer nicht hin. «Ich wollte wenigstens so lange leben, bis mein Sohn eine Lehrstelle hat.

» Heute ist der Sohn 31, fast so alt wie er selbst, als er die schreckliche Nachricht von der irreparablen Vergrößerung seines Herzens erhielt.

Unbeschwert und lebendig

Im Herzzentrum München wurde er schließlich transplantiert. Wochenlang musste er vorher allerdings auf das passende Spenderherz warten. Er konnte nur noch liegen, schwer atmen, war schwach, nicht einmal mehr fähig, Treppen zu steigen - zum Schluss 50 Kilo leicht. Ein Jahr nach der Operation gings wieder auf seine geliebten Berge. Erstes großes Ziel: der Entschenkopf, immerhin über 2000 Meter hoch. Er hat sich gefühlt «wia a Gemsle», glücklich, unbeschwert, lebendig. Finkel sagt, er hat nun eine andere Sicht aufs Leben. Eine lockerere. Wegen Kleinigkeiten regt sich der Hindelanger nicht mehr auf.

«Organspende ist wie ein neues Leben», sagt auch Alfons Stockinger. «Wenn Sie ohne Sauerstoff und Rollstuhl weiterleben wollen, brauchen Sie ein neues Herz,» hatte der Arzt vor über 20 Jahren zu ihm gesagt. Er ergriff den Strohhalm Transplantation. Und nach einigen Monaten konnte er wieder laufen, atmen, in die Berge gehen.

20 jahre ist das her. Seit knapp zehn Jahren treffen sie sich drei- bis viermal jährlich in einer Gruppe für Herztransplantierte, «aber nicht, um über unsere Leiden zu sprechen, wir wollen miteinander Spaß haben,» sagt Franz Gorus. «Sonst wär i au scho lang nimmer dabei,» fügt Finkel an.

Aber freilich bleibe nebenbei auch Zeit zum Erfahrungsaustausch. Denn Medikamente gegen die Abstoßung des fremden Herzens müssen alle Transplantierten ein Leben lang nehmen. Deshalb ist ihre Immunabwehr geschwächt und deshalb nehmen sie sich besonders in Acht vor Viren. Finkel ist nach der Transplantation beispielsweise eine Zeitlang nur mit Mundschutz außer Haus gegangen - damit er sich nicht ansteckt. Türklinken drückten er und die anderen mit dem Ellbogen herunter, aufs Händeschütteln wurde weitgehend verzichtet. «Toi, toi, toi,» sagt Finkel heute. 20 Jahre lang hat er keine Grippe mit Fieber mehr gehabt. «Mir gohts guat.» Die anderen beiden stimmen ein. «Wir sind alle Glückspilze und haben ein Herz bekommen,» sagt Franz Gorus. «Ich habe viele Menschen erlebt, die in der Wartezeit auf ein passendes Organ gestorben sind.»

Informationen über die Treffen der Herztransplantierten gibt Franz Gorus, Telefon 08374/8679

 

Leben seit 20 Jahren mit einem Spenderherzen: Alfons Stockinger (Altusried) und Thomas Finkel (Hindelang). Franz Gorus (rechts) hat vor zehn Jahren eine Herztransplantation erfolgreich hinter sich gebracht. Allen Dreien geht es heute gut. Sie wollen anderen Herzkranken Mut machen. Foto: Martina Diemand

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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