Wir sind das Feinbild

Von Richard Mayr | Kaufbeuren/Mauerstetten Dieser Wechsel setzt nun wirklich einen dicken Trennstrich zwischen dem Alten und dem Neuen Jahr. Gehörte bisher zum Bier im Wirtshaus die verrauchte Luft, wird nun die Zigarette in der Öffentlichkeit eine Angelegenheit unter freiem Himmel. Ab 1. Januar ist das Rauchen in Gaststuben und Kneipen in Bayern gesetzlich verboten.

Wenn nur die Speiselokale von der strengen bayerischen Regelung betroffen gewesen wären, hätte der Mauerstettener Thomas Fey (50) damit leben können. 'So stellt das Gesetz für mich ein Problem dar', sagt er mit tiefer, vom Rauchen geprägter Stimme.

Mehr als täglich eine Schachtel

Seit 30 Jahren greift Fey regelmäßig zur Zigarette, bezeichnet sich selbst als Muss-Raucher. Bei einer Schachtel am Tag bleibt es bei ihm nicht. Abends beim Ausgehen auf die Zigarette zu verzichten, fällt ihm nicht leicht.

Nun steht Fey dem Nichtraucherschutz nicht völlig verständnislos gegenüber. 'Dass für viele der Qualm nicht angenehm ist, ist nachvollziehbar', sagt er. Aber die völlige Abschaffung aller Ausnahmeregelungen in Bayern bis hin zum Bierzelt findet er absurd. Die Folge: 'Die Treffen mit Freunden und Bekannten in Kneipen werden sich drastisch reduzieren.'

'Dreiviertel-Stunden-Regelung'

Ganz ähnlich wird es der Kaufbeurer Historiker Jürgen Kraus (67) handhaben. Auch für den Gaststättenbesuch wird dann seine 'Dreiviertel-Stunden-Regelung' greifen. Diese führte Kraus einst ein, als im Bekanntenkreis in den 1980er Jahren die Toleranz für den Qualm in ihren Wohnungen zurückging. 'Eine dreiviertel Stunde halte ich mich auf, dann verschwinde ich', sagt Kraus, der überzeugte Zigarilloraucher.

Von den Gesetzen zum Nichtraucherschutz hält Kraus nichts. 'Das ist eine Hetze gegen die Raucher.' Nicht der Gebrauch, sondern der Missbrauch gefährdet die Gesundheit, sagt er. In der aktuellen Auseinandersetzung spielten solche Unterschiede aber keine Rolle mehr. 'Wir sind ideologisch das Feindbild', findet er. Ans Aufhören hat Kraus nie gedacht, auch jetzt nicht. 'Der Zigarillo gehört zur ausgewogenen Stimmung dazu.' Ebenso zur inneren Versammlung. Vor allem am Schreibtisch merkt er das, wenn es darum geht, Texte zu verfassen.

Rauchen am Arbeitsplatz ist für Carmen Müller (50) vom Kaufbeurer Verkehrsverein schon lange ein Tabu. Umso mehr hat sie an der Zigarette in der Mittagspause im Café gefallen gefunden. Dass die ab morgen verboten sein wird, versetzt Müller nicht in rebellische Stimmung. 'Wir werden uns schon daran gewöhnen', sagt sie lakonisch. Wiewohl ihr die vielen Regeln und Einschränkungen von Staats wegen ein wenig zu weit gehen. 'Dann kann ich in meiner Freizeit nicht mehr machen, was ich möchte', meint sie. Als Raucherin komme sie sich mittlerweile manchmal vor wie eine 'Aussätzige'.

Zweimal probiert

Gefährlich ist es, das Rauchen, das weiß Müller. Aufzuhören hat sie zweimal probiert. Das Ergebnis glich sich, Müller fühlte sich nicht besser, sondern schlechter, weil sie zunahm. 'Ich will nicht aufhören', sagt sie, auch wenn sie mit dem Gedanken spielt, es einfach sein zu lassen. Weil sie nicht in ihrer Wohnung raucht, während der Arbeit nicht und bald auch in den Gaststuben nicht, läge der letzte Schritt eigentlich nahe.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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