Woringen
«Wir Landwirte kennen jedes Schlagloch»

Kulturlandschaft erhalten - das ist laut Ferdinand Bisle vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Schwaben das oberste Ziel der Flurbereinigung (siehe Infokasten), für die jetzt in Woringen der Startschuss gefallen ist. CSU-Landtagsabgeordneter Josef Miller übergab Bürgermeister Volker Müller den Anordnungsbeschluss bei einer kleinen Feier im Woringer Rathaus. 1,6 Millionen Euro kostet die Maßnahme auf einer Fläche von rund 400 Hektar; etwas mehr als eine Million Euro sind als Förderung von Europäischer Union (EU), Bund und Land eingeplant.

Insgesamt sind 124 Anwesen von der Flurneuordnung betroffen. Bis zum Jahr 2016 - so ist es laut Bisle vorgesehen - sollen Einzelhöfe und Weiler mit ausgebauten Wegen erschlossen werden. Die Eigentumsrechte sollen klar geregelt und Gebiete dadurch aufgewertet werden, sagte er. Außerdem soll die Kreisstraße MN 19 bis zum Weiler Weidenbühl (Schätteles Weg) auf einer Länge von etwa 1,5 Kilometern zweispurig ausgebaut werden. Das sei der «Hauptbrocken», der in finanzieller Hinsicht auf die Gemeinde zukommt, so Bisle. Nach Abzug der Fördersumme müssen Gemeinde und Grundstückseigentümer in den kommenden Jahren rund 600000 Euro aufbringen. Im Jahr 2016 sollen alle Maßnahmen abgeschlossen sein. Bis dahin sei diese Summe «zu schultern», glaubt Bisle.

Da viele der landwirtschaftlichen Flächen über fünf Hektar groß sind - ab da gilt ein Grundstück als betriebswirtschaftlich sinnvoll - stehen Zusammenlegung und Neuordnung der Grundstücksverhältnisse im Hintergrund.

Grundschule hat Priorität

Mit Blick auf den «nicht so kräftigen» (Müller) Gemeindehaushalt setzt der Rathauschef «momentan andere Prioritäten». Zuerst komme die Grundschule. Dort sind Sanierungen, Erweiterung und Wärmedämmung für rund 2,9 Millionen geplant (wir berichteten).

Johannes Haug, Zweiter Bürgermeister und Sprecher des örtlichen Arbeitskreises (AK) Landwirtschaft, freut sich über die anstehende Flurbereinigung. Bereits im Jahr 2000 hatte der AK eine Liste mit jenen Wegen erstellt, die verbessert werden müssen. Vier Jahre später machte das ALE erste technische Vorerhebungen.

«Wir brauchen gute Wege, sonst haben wir Probleme», sagte Haug. «Wir Landwirte kennen jedes Schlagloch und wissen, wo wir ausweichen müssen, um Rückenschäden zu vermeiden.» Laut Haug steigern die Bauern mit ihrer Arbeit zum Nulltarif den Erholungswert in der Landschaft - was auch der Allgemeinheit zugute komme. Insofern sei es wichtig, mit den geplanten Maßnahmen die Wirtschaftlichkeit zu verbessern und damit Existenzen zu erhalten.

«Woringer sind nicht streitsüchtig, aber es wird Meinungsverschiedenheiten geben», sagte AK-Sprecher Haug mit Blick auf die anstehenden Verhandlungen. «Ich bin aber überzeugt, dass gute Lösungen gefunden werden.»

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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